Full text : Geschichte der Saarbrücker Bergschule

Ill. Die Bergschule.

Die Schüler sehen nunmehr auf eine mindestens vierjährige, praktische
Ausbildung zurück, welche in den letzten zwei Jahren durch Instruktionsfahrten
vertieft worden ist. In den Elementarfächern haben sie eine so eingehende Ausbildung
 erfahren, wie es nach Lage der Verhältnisse überhaupt möglich ist. Eine
Binbuße an Lohn ist bisher nicht erfolgt.
Andrerseits fehlt den Schülern noch völlig die theoretische Ausbildung
in den Fachwissenschaften und das Verständnis für ihre spätere Stellung als Vorgesetzte
 den Bergleuten gegenüber, mit denen sie bisher in jahrelangem Verkehr
lediglich kameradschaftlichen Umgang gepflogen haben.
Daher setzt bei der Aufnahme in die Bergschule der theoretische Unterricht
ausschließlich ein. Die Schüler haben die Kosten ihrer Ausbildung, abgesehen
von Fällen besonderer Bedürftigkeit und Befähigung, selbst zu tragen. Sie sollen
sich später sagen können, daß sie — entgegen dem bisherigen Versorgungsprinzip
durch eigene Solidität und Sparsamkeit ihre Stellung errungen haben.

a) Unter- und Mittelklasse.

Die Bergleute und Maschinenleute werden jetzt in den Hauptfächern getrennt
 unterrichtet. Bei den ersteren treten Geologie, Bergbaukunde und Markscheiden,
 bei den letzteren Konstruktionslehre, Maschinenkunde und Elektrotechnik
 in den Vordergrund. Von Semester zu Semester wächst die Stundenzahl in
den technischen Disziplinen, während die Hilfsfächer immer mehr beschnitten werden.
 Bergpolizei und sozialpolitische Gesetzgebung in möglichst engem Anschluß
an den technischen Unterricht sollen die Grundlage bilden für spätere, richtige
Einschätzung der gesamten Betriebs- und Arbeiterverhältnisse.
Die Fühlung mit der Praxis wird, abgesehen von der praktischen Arbeit in
den auf drei Monate erweiterten Herbstferien, nach wie vor durch Exkursionen
aufrecht erhalten. Dabei sollen aber Ausflüge mit größeren Schülermengen tunlichst
 vermieden werden; denn ihr wirklicher Unterrichtswert entspricht nach den
Erfahrungen der letzten Jahre in keiner Weise der dafür aufgewendeten Zeit.
Kleine Einzelgruppen haben nach sorgfältiger Vorbereitung des Ausfluges durch
die Lehrer auf den Werken der Umgegend bestimmte Aufgaben zu erfüllen. Exkursionsberichte
 und deren Besprechung sorgen dafür, daß die Ausflüge ernst
genommen werden, und daß das Gesehene den Unterricht erfolgreich ergänzt.
Daneben sollen einzelne, mehrtägige Reisen in andere Bezirke der Erweiterung
des Gesichtskreises dienen.
Der Schulunterricht selbst wird unterstützt durch eine jetzt trefflich geordnete
 mineralogische und geologische Sammlung. Auch die Modell- und Maschinensammlung
 wird eifrig vervollständigt und zu einer systematisch geordneten
Lehrsammlung ausgestaltet.
Der Unterricht soll aber der Praxis noch näher gebracht werden. Zu dem
Zwecke wird der Saarstollen, welcher in der Nachbarschaft der Bergschule mündet,
            
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