allem erscheint es nicht mehr haltbar, den kurz bemessenen Ausbildungsgang der
technischen Werksbeamten in seiner Einheitlichkeit für alle Zöglinge bestehen zu
lassen. Der eigentliche Grubenbeamte mußte in der Bergbaukunde, der Maschinenbeamte
in seinem Spezialfache sich mit Kenntnissen begnügen, welche den in der
Praxis an ihn herantretenden Fragen nicht mehr genügen. Daher mußte auch
eine schärfere Trennung der Unterrichtszweige ins Auge gefaßt werden.
Die Umgestaltung auf völlig neuer Grundlage ist nunmehr erfolgt. Verschiedene,
günstige Umstände kamen der Neuregelung zustatten:
Das stattliche neue Heim der Bergschule hat es ermöglicht, nicht nur,
wie das bisher vielfach geschah, die augenblicklichen Bedürfnisse zu berücksichtigen,
sondern im Hinblick auf eine kräftige Weiterentwicklung des Bergbaues der Schule
eine breite Grundlage zu geben, auf der sich auch in Zukunft bauen läßt. Wenn
auch bereits jetzt die Räume des neuen Schulhauses sämtlich ununterbrochen
beansprucht sind, so bietet doch das künftig freiwerdende Gelände der Faktorei
hinter der Schule die Möglichkeit eines weiteren Ausbaus.
Dazu hat gerade in den letzten Jahren ein lebhafter Austausch der bergtechnischen
Lehranstalten, vor allem der Bergschulen untereinander, eingesetzt.
Die Ausgestaltung der Lehrpläne, das Ineinandergreifen der Hilfsdisziplinen und
der Hauptfächer, die zu erreichenden Ausbildungsstufen sind lebhaft erörtert worden.
Dieses frische, wenn auch im Vergleich zu anderen Anstalten erst spät einsetzende
Leben, welches wohl von allen Seiten mit großer Freude begrüßt worden ist, hat
auf die Ausgestaltung des Unterrichtes befruchtend eingewirkt.
Endlich liegt ja in der Geschichte der Saarbrücker Bergschule selbst, die
jetzt auf eine fast hundertjährige Entwicklung zurücksieht, in den mannigfachen,
dem jeweiligen Stande des Schulwesens entsprechenden, nunmehr fast erschöpfenden
Versuchen eine Fülle von Erfahrungen, welche der Verwertung harrten.
Die innere und äußere Organisation des Schulwesens nach den neuen Bestimmungen
ist im Anhange beigefügt. Die nachfolgenden Ausführungen beschränken
sich daher darauf, diese Bestimmungen zu erläutern. Sie sollen es
ermöglichen, aus den leitend gewesenen Erwägungen heraus die Grundsätze
ihres Aufbaus zu erkennen. Daneben möchten sie für die zahlreichen Beteiligten
eine weitere Anregung sein zu frischer, von einheitlichem Geiste getragener Mitarbeit
an der Heranbildung eines tüchtigen Beamtenstandes.
I. Die Vorbildung der Schüler.
Vorbildung der Bergleute. Gegenüber den übrigen preußischen
Bergschulen ist die Saarbrücker Schule in einem Punkte besonders günstig gestellt:
Das Hauptgebiet für die Rekrutierung der Schüler ist der unter einheitlicher,
staatlicher Leitung stehende Bezirk der Bergwerksdirektion zu Saarbrücken.
Unter ihrer Oberleitung steht nicht nur der technische Betrieb selbst, sondern
auch das gesamte Fortbildungsschulwesen für junge Bergleute.