An den Besuch der Unterklasse schloß sich derjenige der Oberklasse
ohne besondere Versetzungsprüfung an. Die Oberklasse erhielt vollen Wochenunterricht
in 33 bezw. 35 Stunden. Zu den in der Unterklasse behandelten Unterrichtsgegenständen
trat nur Gesetzeskunde und Grubenrechnungswesen mit je
>» Stunden wöchentlich hinzu, während die Stundenzahl in den anderen Fächern
entsprechend vermindert wurde. Die sich für das Maschinenfach ausbildenden
Schüler erhielten an Stelle des technischen Zeichnens Unterricht in Elektrotechnik
sowie in Konstruktionslehre verbunden mit zeichnerischen Übungen. Der Unterricht
wurde sämtlichen Schülern unentgeltlich erteilt. Die den Schülern der
Saarbrücker Bergschule, welche nur während der Ferien praktisch arbeiteten, zur
Bestreitung ihres Lebensunterhaltes gewährte Unterstützung betrug für die Oberklasse
60, für die Unterklasse 30 Mark im Monat.
Diejenigen Schüler, welche die Abschlußprüfung am Ende des 2. Schuljahres
bestanden, erhielten die Befähigung zum Werksbeamten, wobei man die
Reihenfolge ihrer Anstellung nach dem auf dem Abgangszeugnis vermerkten
Durchschnittsprädikate festsetzte. Durch den Besuch der Bergschule wurde jedoch
nur die Befähigung zur Übernahme einer mittleren Werksbeamtenstellung erworben.
Um für die Stellung eines oberen Werksbeamten berechtigt zu sein, bedurfte es
aoch der Ablegung einer besonderen Prüfung, der sogenannten Fahrsteigerprüfung,
vor einer an der Bergwerksdirektion bestehenden Prüfungskommission.
Die von der Schule entlassenen Schüler wurden bis zu ihrer Anstellung
antweder noch praktisch oder aushülfsweise im Aufsichtsdienste beschäftigt.
Um auch die körperliche Entwickelung zu fördern, erhielten die Schüler
der Saarbrücker Schule wöchentlich Turnunterricht in der städtischen Turnhalle
zu St. Johann. Im Sommer wurden häufig turnerische Übungen und Turnspiele
im Freien unternommen. Zur Belebung des kameradschaftlich-geselligen Sinnes
dienten gemeinschaftliche Gesangsübungen sowie die in einem kleinen Kreis von
Schülern stattfindenden Orchestervorträge. Eine mehrfach in den letzten Jahren
abgehaltene Weihnachtsfeier vereinigte Lehrer und Freunde der Schule mit sämtlichen
Schülern.
Dienten die kleineren, fast allwöchentlich unternommenen Exkursionen
auf benachbarte Gruben lediglich der Erweiterung technischer Kenntnisse, so
brachten einige in den letzten Jahren stattfindende mehrtägige Studienausflüge
in andere Bergwerksbezirke vielen, welche nur ihre engere Heimat kannten, neben
technischen und geologischen Anregungen eine dankbar empfundene Erweiterung
ihres Gesichtskreises.
Da vom Jahre 1895 ab infolge der Neubelebung der gewerblichen Verhältnisse
auch für den Saarbergbau ein lebhafter Aufschwung einsetzte, so trat ein
erhöhter Bedarf an Aufsichtspersonal sehr bald hervor... Es wurden daher vom
5ommerhalbjahr 1899 ab in der Unter- wie Oberklasse der Bergschule 2 Abteilungen
gebildet, deren Kurse im Frühjahr bezw. Herbst eines jeden Jahres schlossen.
Hierdurch vermochte man die Zahl der jährlich ausgebildeten Schüler bis auf 50
zu steigern. Trotzdem konnte die Schule den an sie herantretenden Anforderungen
so wenig entsprechen, daß im Jahre 1901 85 ältere Bergleute außerhalb der Bergschule
in einem beschleunigten Kursus zu Steigern herangebildet werden mußten.