Die durchschnittlich auf jede Woche kommenden 25 Unterrichtsstunden
wurden nur an den Vormittagen gegeben, während die Schüler nachmittags eine
6 stündige Schicht verfahren mußten. *)
Die bisher an den Vorschulen nur im Nebenamt tätigen Elementarlehrer
wurden jetzt als Hauptlehrer mit Staatsbeamtenstellung angestellt und
erhielten neben dem Unterricht in den Elementarfächern, der Mathematik und
Physik auch die Leitung der Steigerschulen zugleich mit der Oberaufsicht über
den Unterricht der in ihrem Revier belegenen bergmännischen Fortbildungs-Anstalten.
Der Unterricht in den technischen Fächern, der Bergbaukunde, dem
Markscheiden und Grubenrechnungswesen wurde Berginspektoren, Markscheidern
und Maschinenwerkmeistern der am Ort der Steigerschulen befindlichen Gruben
übertragen.
An der Hauptbergschule lag der Unterricht in Mathematik und Naturwissenschaften
in den Händen des technischen Direktors Dr. Römer. Im
Jahre 1873 gelang es endlich, auch die bisher nur von Hülfslehrern wahrgenommene
Stelle des technischen Lehrers durch den Assistenten Lange neu zu besetzen,
Jem der Unterricht in Bergbaukunde und Grubenrechnungswesen zufiel. Leider
setzte eine schwere Erkrankung seiner ergebnisreichen Lehrtätigkeit bereits im
Jahre 1879 ein Ziel, so daß vom ı. April dieses Jahres ab Bergverwalter Dannenberg
aus Dillenburg als technischer Lehrer an die Hauptbergschule berufen
werden mußte. In den übrigen Fächern wurde der Unterricht nach wie vor von
Hülfslehrern, meist Bergbeamten, im Nebenamte erteilt.
Der durch die Reorganisation vor 1873 festgesetzte Lehrplan der Hauptbergschule
deckte sich mit dem der Vorschulen in den meisten Disziplinen, da mit
Ausnahme der an der Hauptschule bis auf den deutschen Unterricht fortfallenden
O]ementarfächer und der hierfür eingeführten Verwaltungs- und Gesetzeskunde
die übrigen Fächer bei beiden Schulen die gleichen waren. Der Hauptbergschule
wurde daher zur besonderen Aufgabe gestellt, auf eine Erweiterung und Vertiefung
der an den Vorschulen erworbenen Kenntnisse hinzuwirken. Die für
Jas Maschinenfach sich ausbildenden Schüler erhielten an Stelle des markscheiderischen
Unterrichts einen solchen in Maschinenkonstruktionslehre. Ferner
wurde ein besonderer Fachkursus im Rechnungswesen und der Maschinenkunde
sowie eine theoretisch-praktische Markscheiderfachklasse für Absolventen der
Hauptbergschule eingerichtet und von Zeit zu Zeit je nach Bedarf eröffnet.**)
*) Zur Erzielung einer möglichst gleichmäßigen und gründlichen praktischen Ausbildung
erließ die Bergwerksdirektion im Jahre 1873 ein Regulativ, nach welchem die Schüler die in den Gruben
zur Anwendung gelangenden bergmännischen Handarbeiten in bestimmter Reihenfolge unter Aufsicht
Jer Grubenbeamten und unter Anleitung tüchtiger Vormänner durchmachen mußten. Die nur während
der Ferien beschäftigten Schüler der Hauptbergschule wurden vielfach bei den Befahrungen der oberen
Werksbeamten und Berginspektoren mitgenommen und hatten die bei den Befahrungen gesammelten
Beobachtungen in schriftlichen Ausarbeitungen niederzulegen.
**) Der Besuch des Markscheiderfachkursus wurde mit 1'2 Jahren auf die in den Prüfungsvorschriften
für die Markscheider vom 8. April 1867 vorgeschriebene 3jährige Ausbildungszeit angerechnet.
Die Zulassung zur Markscheiderprüfung erfolgte nach 1*„jähriger praktischer Beschäftigung
bei einem Grubenmarkscheider. Die Markscheiderfachklasse wurde nur wenig besucht und kam in
len neunziger Jahren gänzlich in Fortfall, da genügend anderweitig vorgebildete Markscheideraspiranten
vorhanden waren.