Der Unterricht an Bergeleven kam in der Folgezeit sehr bald in Wegfall,
lie Heranbildung von Gruben- und später auch Rechnungsbeamten für die im
Besitz des Staates befindlichen Saargruben wurde der Hauptzweck der Schule.
In den Lehrfächern beschränkte man sich zunächst auf das Allernotwendigste.
Außer den Anfangsgründen in Arithmetik und Geometrie wurde der Gebrauch des
Kompasses und Gradbogens, Rechtschreibung und deutsche Sprache gelehrt. Die
unentbehrlichsten Hülfsmittel für den Unterricht wurden nach und nach aus der
Königl. Bergzehnt- und Gefällekasse beschafft. Die Aufsicht über die Schule lag
in den Händen des Saarbrücker Bergamtes, welchem auch die Regelung des
Unterrichts im Einzelnen überlassen blieb.
Da die wenigen Lehrkräfte, welche den Unterricht im Nebenamt erteilten,
schon durch ihre eigentlichen Dienstgeschäfte stark beansprucht waren,
so erlitt der Unterricht wiederholt Unterbrechungen. Auch der Mangel jedweden
Lehrplanes erwies sich bald als so nachteilig, daß sich das Bergamt im Jahre
1822 zur Aufstellung eines solchen veranlaßt sah. Je nach Anzahl und Befähigung
bezw. Vorbildung der Schüler wurden von nun an 3, später jedoch nur 2 Klassen
mit ein oder zwei Abteilungen gebildet. Der Unterricht sollte in der untersten Klasse
Rechnen, Schreiben und Deutsch in insgesamt 6 Wochenstunden umfassen, sich
in der mittelsten auf Anfangsgründe der Mathematik, Schreiben, . Orthographie,
Zeichnen, Gebrauch des Kompasses sowie Einleitung in die Bergbaukunst, Geologie
und Mineralogie in 8 Wochenstunden erstrecken, und endlich in der ersten Klasse
nur eine Erweiterung der eben genannten Lehrfächer in gleichfalls 8 Wochenstunden
bringen.*)
Der Lehrgang in jeder Klasse wurde auf I Jahr festgesetzt. Sein Anfang
und Ende fielen mit dem des Kalenderjahres zusammen.
Um der besonders nachteilig empfundenen Unterrichtsunterbrechung mehr
wie bisher vorzubeugen, hatte man wenigstens für die elementaren Fächer einen
besonderen Lehrer in der Person des Expektanten Daub gewonnen, während in
den übrigen Fächern nach wie vor Beamte des Saarbrücker Bergamtes im Nebenamt
unterrichteten. Unter ihnen verdienen der Bergsekretär Gottlieb wie
der Markscheider Prediger, von denen der erstere in Mathematik, der letztere
in Markscheiden während vieler Jahre mit Eifer und Hingebung unterrichteten,
besondere Erwähnung. An Stelle des Expektanten Daub trat bereits 1825 Lehrer
Goldenberg, der sich während seiner 10jährigen Wirksamkeit an der Schule
in hervorragender Weise um die Begründung einer palaeontologischen Sammlung
verdient gemacht und zur Kenntnis der Fauna und Flora des Saarbrücker Steinkohlengebirges
auch durch seine Schriften**) beigetragen hat.
Auf Grund der am Schlusse eines jeden Kursus in Gegenwart des Bergamtsdirektors
stattfindenden Prüfung wurden die Schüler in die nächst höhere Klasse
*) Nach Aufhebung der ersten Klasse, welche anfangs als Klasse für Bergeleven und
besonders befähigte Bergleute eingerichtet war, verschob sich dieser Lehrplan, da die Unterrichtszgegenstände
nunmehr auf 2 Jahre verteilt wurden.
**) Von seinen Schriften seien erwähnt:
1. Zur Kenntnis der fossilen Insekten der Steinkohlenformation 1869.
2. Die Pflanzenversteinerungen des Steinkohlengebirges von Saarbrücken. 1855/62
3. Die fossilen Tiere aus der Steinkohlenformation von Saarbrücken 1877.