blickte, nichts als Menschen. Selbst die umherstehenden
Bäume mußten als Aussichtsturm dienen. Für die beklagens—
werten Angehörigen der Verunglückten hatte man Plätze in
unmittelbarer Nähe der Totenhalle reserviert.
Der Vertreter des Kaisers Prinz Friedrich Leopold
traf mit den Minister Delbrück, Oberpräsident Frei—
herrn von Schorlemer, Oberberghauptmann
v. Velsen, Regierungspräsident Bake, Landrat
Freiherr Laur von Münchhofen (Ottweiler) gegen
3 Uhr ein. Vor dem Zechenhause stand die Geistlichkeit der
Umgegend und die Grubenbeamten. Nach Ankunft des
Prinzen spielte die Grubenkapelle den Choral: „Jesus meine
Zuversicht.“
Sodann ergriff Se. Kgl. Hoheit das Wort:
„Se. Majestät der Kaiser haben mich beauftragt, hierhin zu
eilen und den Hinterbliebenen und Trauernden seine innigste Teil—
nahme und sein herzlichstes Beileid auszusprechen. Se. Majestät
hat mich auch hierhin gesandt, um zu sehen, wo es Not tut und
Geldmittel zur Verfügung zu stellen. Ein Trost muß es für uns
sein, daß die braven Knappen ihre Pflicht getan haben, wie es
jedem Preußen geziemt und wir dies nicht anders gewohnt sind.“
Dechant Hansen-Illingen hielt sodann etwa folgende
Trauerrede:
„Geliebte in tiefer Trauer Versammelte! Groß ist der Schmerz,
entsezlich das Leid und der Jammer, der uns alle getroffen hat.
Aber wir schauen nach oben und gedenken des trostreichen Wortes
des Heilandes, das er gesprochen hat beim Evangelisten Johannes,
Kap VI: „Wer an mich glaubt, wird leben, wenn er auch schon
gestorben ist.“ Ja groß ist das Leid und der Schmerz, Vater,
Sohn, Gatte, Kinder, sie sind hinweggerissen aus der liebenden
Familie, und üher aller Herzen liegt Trauer, tiefes Weh. Aber
aub groß ist die Teilnahme aller, die wir alle in ewiger Liebe
mit einander verbunden. Wir alle hegen ein inniges Miitleid, wir
alle teilen den Schmerz in Bezug auf die, welche so plötzlich da
hingerait wurden. Tas ruft innige Teilnahme hervor und
wir empfinden so recht mit den Witwen und Waisen, was sie ver
loren haven. In diesem Schmerz und in dieser Not trauert mit
uns das ganze Vaterland. Vor Ihnen steht ein erlauchter Prinz
des kgiserlichen Hauses im Auftrage Sr. Majestät und hat allen
das Beileid Sr. Majestät ausgesprochen. Das zeigt uns von
neueni, daß der Kaiser ein wahrer Vater des VWaterlandes ist.
Bringen wir Sr. Maiestät dafür tiesen Tank dar und bitten wir
Se. Kgl. Hoheit, diesen DTank gütigst vermitteln zu wollen. Nicht
allein aus unserm Vaterlande, sondern üher seine Grenzen hinaus
finden wir VBeileid und Trost. Von allen Seiten senden die Fürsten
an Se. Majestät Beileidstelegramme. Auch Se. Heiligkeit Papst
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