Full text : Das Grubenunglück zu Reden, Kreis Ottweiler, am 28. Januar 1907

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die jungen Witwen auf der Straße in wildem Schmerze.“
Wirklich unvergeßliche Bilder in ihrer erschütternden Tragik!
Trotz alledem konnte der Minister in der Budgetkommission
des Abgeordnetenhauses am 1. Februar nicht umhin, der
Saarbevölkerung das Zeugnis auszustellen, daß sie sich
zuhig und sehr gefaßt verhalten hat, was auch die Poli
zeimannschaften in großes Erstaunen setzte.
An den folgenden Tagen bot die Grube wieder das
alltägliche Bild einer regen Betriebsstätte. Zur Aufräum—
ung der Brüche und Bergung der noch vermißten
9 Mann leistelen die Bergleute und Beamten der übrigen
Saargruben werktätige Hilfe. Die Armatur- und Maschinen—
'abrik Westfalia hatte einen Direktor und Mannschaften mit
Rettungsapparaten angeboten, ebenso die westfälische Grube
derle dieselben Rettungsmannschaften, die im vorigen Jahre
hei der Katastrophe von Courrires so hervorragende Dienste
zeleiste haben. Beide Anerbietungen wurden dankend ab—
gjelehnt. In Gruppen von 10—520 Mann unter Füh—
rung von 2—23 Steigern und einem höhern Werkbeamten
vurden die Arbeiten auf Ablösung vor Ort nach 45 bis
zstündiger Schicht ausgeführt. Sehr peinlich war die Lage
des Bergwerksdirektors Liesenhoff, welcher bei der Kaisers—
zeburtstagsfeier am Sonntag abend beim Tanze durch einen
Fall den Fuß verstaucht hatte und infolgedessen das Bett
züten mußte.
In der 5. Tiefbausohle in der Grundstrecke Flöz Thielen
war zwischen Querschlag? und 3 in der Streckenlänge von 25
»is 30 Metern ein Bruch niedergegangen, der neben Wagen—
zügen mit Pferden eine Anzahl Bergleute überschüttet hatte.
In der Nacht vom 2. auf den 3. Februar wurde zunächst
ein Pferd, das vor einem beladenen Zuge im Geischirr lag,
ufgefunden. Dann fand man die Leiche eines jungen Mannes,
der als die des 19jährigen Joh. Klein aus Behweiler erkannt
vurde. Die Leichen waren schon so stark in Verwesung
ibergegangen, daß das Muskelgebilde beim festen Angreifen
erriß. Ein starker Leichengeruch herrschte in der Nähe dieses
Arbeitspunktes, der durch das Fördern der Wagen den Wetter
trom in den Förderstrecken wahrnehmbar durchschwängerte.
Außer diesem Leichengeruch machte sich in geringerem Maße
ein brandiger Geruch bemerkbar. Eine schwarze Muß'ichicht
            
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