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ließ sich einen derselben öffnen und stand mit sichtlicher Er—
griffenheit vor dem friedlich schlummernden Bergmann, der
in der Blüte seines Lebens von dem jähen Verhängnis mit
dahin gerafft war.
Oberpräsident von Schorlemer besuchte die Verletzten im
Knappschaftslazarett zu Neunkirchen, um ihnen im Auftrage des
Kaisers seine wärmste Teilnahme auszusprechen.
Auf Veranlassung des Handelsministers Delbrück erhiel—
ten die Angehörigen freien Zutritt in die Grubenanlagen
zwecks Rekognoszierung der Toten.
Herzzerreißende Szenen, die bange Seele erschütternd,
spielten sich an den beiden ersten Tagen ab. Tansende Neu—
gieriger hielten die Eingänge zu der Unglücksstelle besetzt und
die Ordnungsmannschaften hatten die größte Mühe, um die
sich drängenden Menschenmassen zurückzudrängen. Einer
fragte den andern, wie es dort unten stehe. Die Frauen
waren trostlos und aufgelöst vor Elend und Leid, die Kinder
weinten laut nach ihren Vätern, dazwischen bewegten sich
alte Bergleute, um sie zu trösten. Wird er noch lebend das
Licht des Tages wiedersehen oder wird er herausgeschafft
werden als formlose, unkenntliche Leiche, das war der einzige
Gedanke. Hier löste sich die Verzweiflung in Strömen von
Tränen, dort ist sie stumm, wortlos.
Einige Familien hat ein geradezu schreckliches Los ge—
troffen; so hat eine junge Frau, die seit Samstag voriger
Woche (26. Januar) getraut war, ihren Mann verloren. Eine
Witwe steht an den Leichen ihres Gatten und zweier er—
wachsenen Söhne, einer andern Mutter und Witwe wurdei
zwei Söhne entrissen, ein Vater muß sehen, wie drei seiner
Söhne in der vollen Blüte ihres Lebens von 30—-40 Jah—
ren vom unerbittlichen Schicksal dahin gerafft wurden. Eine
junge, ihres Gatten beraubte Frau wurde beim Anblick seiner
Leiche tobsüchtig; eine andere brach ohnmächtig zusammen,
als ihr bereits totgeglaubter Mann vor ihr stand. Eine
Witwe aus Landsweiler klagt mit 10 Kindern, von denen
das älteste 15 Jahre alt ist, um den Tod des Familienvaters
und Ernährers. Ein Augenzeuge erzählt: „Auf dem
Heimwege begegneten mir zwei junge Frauen; vor 3 Mona—
ten haben sie am Traualtar gekniet. Sie fragen bang. Ich
fann ihnen keine gute Antwort geben. Da umschlingen sich
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