Full text : Das Grubenunglück zu Reden, Kreis Ottweiler, am 28. Januar 1907

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tors Liesenhoff von Reden, um von diesem die Erlaubnis
zum Betreten der Grube zu erhalten. Herr Liesenhoff lag
krank zu Bette. Die Gemahlin des Herrn Liesenhoff brachte
aber schließlich Herrn Lehnen den Bescheid, der Herr Bergrat
habe nichts gegen das Betreten der Grube einzuwenden, der
Herr Redakteur möge sich daselbst an den Inspektor Müller
wenden.
Nun hätte man glauben sollen, Herr Lehnen wäre
gerade so behandelt worden, wie die übrigen Vertreter der
Presse, die doch alle nur gekommen waren, um ihre journa—
listische Pflicht der Oeffentlichkeit gegenüber zu erfüllen. Wie
man den Vertretern der liberalen Presse entgegen gekommen
ist, beweist folgende Notiz in der liberalen „Neunkircher Volks—
zeitung“ am Tage nach dem Unglück:
„Gerne läßt man den Vertretern der Presse Zutritt,
unterstützt von dem in liebenswürdigster Weise uns
entgegenkommenden Herrn Bürgermeister König aus
Schiffweiler und der Grubenbehörde“ (Nr. 24.)
Und was mußte der katholische Redakteur der Zentrums—
presse erleben? Kaum war er am Schachte angekommen,
als er schon gefragt wurde, ob er berechtigt sei, dort zu
stehen; auf seine Antwort, daß er Erlaubnis von Bergrat
Liesenhoff habe, ließ man ihn einige Zeit in Ruhe. Bald
aber mußte jemand den diensttuenden Assessor aufmerksam
gemacht haben, daß er der neue Ankömmling sei. Zwei Gens—
darmen kamen und verlangten eine schriftliche
Legitimation, während der Assessor den Redakteur
anfuhr: „Sie haben hier nichts verloren!“ Herr
Lehnen berief sich auf die Erlaubnis des Herrn Liesenhoff.
Man verlangte jedoch einen schriftlichen Ausweis, und
so ging er, weil ein Gensdarm ihm fortwährend nachsah,
aus der Schachthalle hinaus. Von den liberalen Redak—
teuren, die am Schacht standen, wurde kein schrift—
licher Ausweis verlangt.
Dabei hatte geradeRedakteur Lehnen die aller objek—
tivsten Berichte geliefer, was durch das Telegraphenamt in
Reden nachgewiesen werden kann. Gerade er hütete sich vor
jeder Uebertreibung, und obgleich er nicht die bereitwillige
Auskunft wie die liberalen Kollegen bekam, sind seine Berichte
der Wahrheit am nächsten gekommen; er sprach nur

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