Full text : Das Grubenunglück zu Reden, Kreis Ottweiler, am 28. Januar 1907

schnell als möglich mußten auch wir uns zurückziehen, weil wir
dem Erstickhungslode nahe waren. Wir flohen durch einen Stabel
.„Plumpsact“, wie ihn der Beramann nennt) auf Leitern zurück
in den Hauptquerschlag zum Förderschachte 111 und stiegen dort
nur dürftlig getleidet aus. Wo mein Schlepper und die drei an—
deren Bergleute geblieben sind, davon weiß ich nichts.“
Kaum hatte sich die schreckliche Kunde verbreitet, da
strömten Tausende und Abertausende aus den umliegenden
Ortschaften der Unglücksstelle zu. Die Züge von Neunkirchen
und Saarbrücken brachten fortwährend ungezählte Scharen,
die zur Grube hineilten. Die Gendarmerie und Polizei der
ganzen Umgegend war aufgeboten worden, um den Andrang
abzuwehren, um die flehenden Mütter, Frauen, Brüder und
Schwestern der Toten zurückzuhalten. Die katholischen Geist—
lichen von Landsweiler, Schiffweiler, Merchweiler, Heiligen—
wald, Friedrichstal, Neunkirchen, Wiebelskirchen, Hühnerfeld
und Sulzbach waren bald zur Stelle, um den Verunglückten
die Gnadenmittel der heil. kathol. Kirche zu bringen. Je—
doch wurden bald nur mehr Tote zu Tage befördert. Herz—
zerreißende Szenen spielten sich ab und nur mit äußerster
Anstrengung und mit Aufbietung aller Kräfte konnte der
Eingang zur Leichenhalle verteidigt werden. Mindestens 80
Wagen aus der Umgegend kamen angefahren, um die Toten
abzuholen, wozu allerdings die Erlaubnis vor der gerichtlichen
Leichenschau nicht erteilt werden konnte.
Ueber die Haltung der Bevölkerung nach Bekanntgabe
des Unqlücks schreibt ein hervorragender schweizerischer Journalist,
Dr. Emil Schultz, unter der Ueberschrift „Courrieres und
Reden“:
„Vor dem Eingange der Redener Gruübe standen, in Schnee
und Schmutz geduldig harrend, die Angehörigen der verunglückten
Bergleute in stiller Bekummernis und machten gar nicht den Ver—
such, die wenigen Hüter der Ordnung, die mit Pickelhauben und
großen Bärten martialisch als Wächter vor dem Tore standen.
zurückzudrängen und, den Zutritt zu ihren Toten zu erzwingen
Im Verlesesaale freilich, wo die verstümmelten armen Opfer auf
gebahrt lagen, gabs dann manch ergreifenden und erschütternden
Anhlick, wenn Eltern oder Ehefrauen ihre Angehörigen erkannten,
doch auch hier kam nur selten der Schmerz zu lautem Ausbruche,
und von wilden Anklagen war nichts zu, vernehmen. Bei der
Totenfeier am Mitt voch, wo vor der großen Verlesehalle Prinz
Friedrich Leopold, Minister, Telbrück und die beiden Geistlichen
zu den Tausenden von Versammelten iprachen, herrfchte feierliche
Ruhe, kaum hie und da durch leises Weinen der Frauen unter

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