Full text : Die Lage der Bergarbeiter im Saargebiet

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und deren Angehörigen, sondern zeugt auch von einer gewissen
Wohlhabenheit, von der sonst unter der industriellen Bevölke
rung wenig zu spüren ist. Zu ähnlichen günstigen Resultaten
kommt man, wenn man die Rücklagen an Geld seitens der
Belegschaft betrachtet: es lassen sich darüber deshalb genauere
Ziffern anführen, weil die Grubenverwaltungen, um den Spar—
sinn zu heben, die Vermittelung der Einlagen bei den wich
tigsten kommunalen Sparkassen der Umgegend in die Hand
genommen haben. So wurden im Jahre 1899 durch Ver—
mittelung der Berginspektionen an 668αν) Mark Spareinlagen
seitens der hiesigen Bergleute gemacht. Sind darunter auch
größtenteils Kapitalrückzahlungen aus Darlehen zu Hausbauten,
Feld- und Vieh-Ankauf und dergleichen, so bleibt doch ein
erheblicher Rest für reine Kapitalansammlungen seitens der
Bergleute. Dazu kommt noch, daß die am Orte der Sparkasse
selbst, in Neunkirchen, Ottweiler, St. Wendel u. s. w. wohnen—
den Leute Spareinlagen resp. Kapitalrückzahlungen selbst ohn«
Vermittelung der Grube besorgen, sodaß die oben angegeben«
Summe mindestens zu verdoppeln sein dürfte.
Die Angehörigen der hiesigen Bergleute, Ehefrauen und
Kinder, suchen, soweit nicht die männlichen Angehörigen bei
der Grube beschäftigt sind, nicht leicht anderweitige Beschäfti—
gung außer ihrer häuslichen Wirtschaft, teils, weil ihre Kräfte
zur Besorgung des eigenen Hauswesens infolge des Besitzes
an Ackerland und Vieh hinreichend in Anspruch genommen
sind, teils, weil sie infolge eines ausreichenden Einkommens
einer Nebenbeschäftigung nicht bedürfen: insbesondere sind, so—
viel mir bekannt, Ehefrauen und Töchter der hiesigen Berg
leute wenig geneigt, und zu stolz, in Tagelohn oder Dienst
zu gehen.
Auch die sittliche Lebensführung ist im Ganzen als be—
friedigend zu bezeichnen. Da der Lohn, den die Bergleute im
24. Lebensjahre beziehen können, zur Familiengründung meist
ausreichend ist, so kommen Konkubinat und uneheliche Geburten
selten vor. Als wirtschaftliche wie schließlich auch sittliche Ge—
fahr muß das überwuchernde Vereinswesen betrachtet werden,
wodurch Wirtshausbesuch und Vergnügungssucht natürlich sehr
gefördert wird.
            
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