27
Im Saarrevier ist mit der Entwicklung des Steinkohlen
bergbaues rasch eine reiche Industrie enrorgeichösien, vor
nehmlich Eisen, Glas, Kols und Thönweerensabrikalion, sodaß
man mit Recht von einem Industriegebiet an der Saar sprechen
kann, welches im Wesentlichen den ganzen Kreis Saarbrücken,
den Haupttheil der Kreiie Oluweiler und Saarlkouis, san.
einen kleinen Theil der Kreise St. Wendel und Wierzig. fertier
die im Osten und Süden anstoßenden Grenzgebiete der bay
rischen Rheinpfalz und des lothringischen Reichslandes umfäßt.
Tie ältesten urkundlichen Machrichten über eine Kohlen
gewinnung im Saargebiet reichen bis zum Anfang des 15. Jahr
hunderts zurück. Bis um die Mitte des 16. Jahrhunderts
eine Nebenbeschäftigung der Grundeigentümer, hatte sie idhy
in dieser Zeit zu einem zünitigen Gewerbe ausgebildet, das der
landesherrlichen Konzession bedrirsite: indessen fönute es unter
den damaligen wirtschaitlichen Verhältnissen zu orheblicher
Bedeutung nicht gelangen und wurde daher auch nur ganz
extensin und unregelmäßig betrieben. Man beschränkte sich im
Wesentlichen darauf, dort, wo die Flötze zu Tage traten, nach
Kohle zu graben, bis sich größere technische Schwierigkeiten in
den Weg stellten.
Erst der infolge des lebhaften Handels mit Holz nach den
Niederlanden Holländerholz mehr und mehr fühlbar werdende
Mangel an billigem Brennmaterial hatte um die Mitte des
18. Jahrhunderts dem Steinkohlenberabau an der Saar eine
wachsende Bedentung verschafft. Den volkswirtschaftlichen An—
schauungen der Zeit gemäß schritten die meisten Territorial
herren des Saargebiets zu einer Übernahme der Steinkohlen
gewinnung auf landesherrliche Rechnung, gewiß nicht zum
Schaden des jungen Steinkohlenbergbaues, der einer kräftigen
und zielbewußten Leitung und einsichtsvollen Förderung be
durfte. Vor allem war es Fürst Wilhelm Heinrich von Nassau
Saarbrücken (140 17683 der es mit grnßer Thatkraft unter
nahm, den Steinkohlenbergbau zur Grundlage einer reichen
Industrie zu machen: sein Wirken war von Erfolg gekrönt.
Vorerst wurden freilich noch die Gruben verpachtet, doch er
folgte die Kohlengewinnung unter der Aufsicht landesfürstlicher
Beaniten.