Full text: Älteste Einwohnerverzeichnisse des ehemaligen Oberamts Ottweiler

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Zur Bedeutung unserer Familiennamen 
Im Jahre 1579 tritt ein Graff auf, 1594 ein „Falckner (er 
betrieb am Ottweiler Hof die Jagd mit Falken). Wenn in dem— 
selben Jahre am Hof in Ottweiler ein Laquay'“ erscheint, so ist 
dieser Name zunächst die Bezeichnung seines Berufs als Diener 
oder Reitknecht gewesen; die welsche Wortform ist die damals an 
deutschen Höfen übliche. Ferner Jäger, 1579 Reitzer (S der 
den Flachs räzt oder röstet), 1585 erscheint ein Metzler (* der 
Metzger, Fleischer). 
Eine weitere Gruppe von Berufsnamen zeigt das Verzeich— 
nis vom Jahre 1611: Gutscher (S Kutscher), Reidt-— 
schmit (F Hufschmied), Bader (— Besitzer einer öffentlichen 
Badestube), Schuster, der Hafner (der die „Hafen“ — Töpfe 
macht; vergl. die Liste vom Jahre 1616, wo es einfach „HFaafner“ 
ohne das Geschlechtswort „der“ lautet), Haubert (kann der 
Haubenschmied sein, der die Sturmhauben fertigt) UÜhrmacher, 
Förster. Der Polver Nickel erhielt seinen Namen, weil er das 
Pulver machte; eigenklich müßke er deshalb Pulvermacher“ heißen. 
Der Name „Polver“ scheint den Beruf in gekürztker und scherz— 
hafter Weise anzudeuten. Weißbender (S wahrscheinlich der 
Böttcher oder auch der Weißer, Tüncher, Gipser). 
Im Jahre 1625 kommen die folgenden Berufsnamen hinzu: 
Ziegler (F Ziegelbrenner) Wullenweber, Glaser, 
Schlosser, Gärtner, Seegmüller (F Sägemüller), Nagel- 
schmit (1611 noch appellativisch, d. h. als Gattungsname mit Ge— 
schlechtswort gebraucht: der Nagelschmitt; auch hier ein Beispiel 
für das allmähliche, d. h. ziemlich späte Festwerden der Familien— 
namen), Dielschneider (SSrektschneider oder Fußbodenleger), 
Leiendecker (der das Dach mit „Leien“, d.h. mit Schieferplattken 
belegt, der Dachdecker), Leineweber, Schmeltzer, Reudter 
(— meist der Ausreuter) Röder (S der das Land rodet, aber 
auch Reiker; vergl. Oltweiler Flurname Reitersbrunnen, in dem 
der alte Familienname erhalten ist!). 
Die Gruppe der Herkunftsnamen umfaßt meist die von Flur— 
namen abgeleiketen Familiennamen. 
Im Jahre 1537 sind die folgenden Familiennamen dieser 
Art nachgewiesen: Sktüde (von Flurname Staude — Strauch), 
Steg (S der am Steg Wohnende; kann auch Steig sein, vergl. 
den folgenden Namen!), Steig (F der an der Steig, d. h. am 
ansteigenden Weg Wohnende), Camp (das umzäunte Feld, be— 
sonders in Westfalen gebräuchlich; vergl. aber auch den Ottweiler 
Flurnamen Husarenkamp), Mosell (kann „der von der MWosel“
	        
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