Full text: Älteste Einwohnerverzeichnisse des ehemaligen Oberamts Ottweiler

xvil 
Sinnbilder als Urväker-Erbe 
bares Jahr. Die Entstehung dieses Radzeichens gibt zugleich Auf— 
schluß über die himmelskundliche Bekätigung unserer Urväter. 
Stellt das Rechtkreuz mit den vier gleichlangen Armen die 
Verbindung der vier Sonnenorke dar, wie sie von unsern nordischen 
Ahnen in jenen dem Polarkreis so nahen Gegenden ihrer ersten 
Wohnsitze festzulegen waren, (den Südpunkt, wo die Sonne nach 
der Polarnacht zuerst erscheint, den Nordpunkt, an dem sie sich 
„von der Erde losreißt, wenn sie zur Mittsommerzeit Tag und 
Nacht am Himmel zu kreisen beginnt“ und die Punkte des Auf— 
und Unterganges zur Frühlings- und Herbstgleiche, also Westen 
und Osten,) so geht die dem Rad zugrundeliegende Hagal-Rune 
(Sechsstern) auf andere Auf- und Untergangspunkte zurück. In den 
späteren südlicheren Wohnsitzen wurden nämlich Nordost und 
Nordwest, Südost und Südwest als Wendepunkte der beiden 
Jahreshälften ermittelt. Verband man diese Punkte und stellte sie zur 
iralken heiligen Nordrichtung, so kam der Sechsstern zustande, das 
auch in unserer Heimat häufigste Haus- und Schmuckzeichen. Fügt 
man zu den Sonnenorken noch ihre kreisförmige Bahn, so kommt 
man zum Rad. 
Es würde zu weit führen, wollte ich alle die heimischen Spiel— 
formen hier heranziehen, die dem unbefangenen Auge als Blumen— 
und Sternformen überall entgegentreten. 
Ein Zeichen, das hier nicht dargestellt ist, aber zur Vollständig—- 
keit mit als Sonnenzeichen Erwähnung finden soll, fand ich einmal 
ausgeprägt in Bergweiler bei Tholey als Schnitzmotiv eines Tisches, 
der zugleich Backmulde war. Es ist die Spirale. Auch sie kenn— 
zeichnet die scharfe Beobachtung des Sonnenlaufes um die Erde, 
denn dieser ist (scheinbar) eine Spirallinie. Nimmt das Jahr zu, so 
schraubt sich das Gestirn empor, um, abnehmend, die gleiche Bahn 
zurückzueilen. 
Es liegt nur zu nahe, wenn man solchen Sinnbildern nachgeht, 
in vorkommende Formen hineinzulesen, was nicht darin ist. So 
könnke das 1. Zeichen rechts als das sogenannte „gespaltene 
Haupt“ (vergl. unkeren Teil) gedeutet werden. Das ist ein um— 
strittenes Zeichen, welches die aus Gott geborene Weisheit und 
damit die Schaffung des Jahres versinnbildlicht. Das Zeichen findet 
sich in Oberlinxweiler. 
In manchem Hause hängt heute noch das glückbringende Huf- 
eisen über der Tür. Um das Hufeisen und die in Deukschland so 
zahlreichen „Roßtrappen“ hat die Sage ihr üppiges Gerank ge— 
wunden. Unker seiner rein gegenständlichen Bedeukung verbirgt sich 
die eines uralken Zeichens, des Urdbogens, worunker man
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.