98
Ueber dunkle Höllenschlünde,
Leitet schwankend uns der Steg:
Ohne Grauen, ohne Zaudern
Dringen wir in's düͤstre Reich,
Fuͤhren auf metall'ne Wände
Jauchzend den gewalt'gen Streich.
Unter unsers Fäustels Schlägen
Quillt der Erde reicher Segen
Aus der Felsenkluft hervor.
Was wir in dem Schacht gewonnen,
Steigt zum reinen Glanz der Sonnen,
Zu des Tages Licht empor.
Herrlich lohnt sich unser Streben,
Bringet eine gold'ne Welt
Und des Demants Pracht zu Tage,
Die in finst'rer Tiefe schwellt.
In der Erde dunklem Schooße
Bluͤhen uns die schönsten Loose,
Strahlet uns ein göttlich Licht.
Einst durch duͤstre Felsenspalten
Wird es seinen Sitz entfalten,
Aber wir erblinden nicht.
Wie wir treu der Mutter bleiben,
Lebend in dem duͤstern Schacht,
Huͤllt uns in der Mutter Schleier
Einst die ewig lange Nacht.
Theodor Körner.