Full text : Untersuchung der ausziehenden Wetterströme in den Steinkohlen-Bergwerken des Saarbeckens

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nterSghung der ausziehenden Wetterströme in den Steinkohlen-Bergwerken des Saarbeckens.

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Il. Untersuchungsmethode.

Wenn auch die gasometrische Analyse durch die herrlichen Arbeiten Bunsen’s einen hohen Grad
der Vollkommenheit erlangt hat, so schienen mir doch die vorliegenden Untersuchungen, welche sich mit
der Bestimmung der so schr geringen Mengen schädlicher Gase in den ausziehenden Wettern beschäftigen,
zu erfordern, die Fehlerquellen der gasometrischen Methoden einer genaueren Kritik zu unterwerfen, um
selbige, so viel es eben anging, zu beseitigen. Ich sah mich um so mehr hierzu veranlasst, als Bunsen
zelbst unter besonderer Vorsicht erzielte Resultate ') mittheilt, bei denen die verschiedenen Messungen derselben
 Gasmenge im corrigirten Volumen Differenzen von 0,06 pCt. aufweisen. Diese Genauigkeit würde
aber für die vorliegenden Untersuchungen nicht genügen.
Im Folgenden theile ich die geringen Abweichungen von der bekannten Bunsen’schen Methode,
welche sich als nothwendig herausstellten, mit, damit man im Stande sei, daraus zu ermessen, in wie weit
lie später angeführten Zahlen Vertrauen verdienen.
Das Calibriren der in Millimeter getheilten Röhren geschah nach Bunsen’s Vorschrift mit Hülfe
eines Quecksilbermasses von 10 cbem. Inhalt, Doch ergab sich hierbei, dass selbst die vorzüglichen, aus
der Fabrik von Dr. H. Geissler in Bonn hervorgegangenen Eudiometer für den vorliegenden Zweck ein zu
variables Caliber besassen, als dass man dasselbe für die ganzen 10 chem. hätte als constant betrachten
dürfen. Es würden alsdann an den Uebergängen aus den einen in die nächstfolgenden 10 cbem. zu bedeutende
 Sprünge stattgefunden haben, Um dies zu vermeiden, nahm ich bei der Berechnung der Caliber-Tabellen
 für die Röhren das Caliber auch noch innerhalb der Grenzen der gemessenen 10 cbem. als
variabel und nur für je 10 mm. der Röhrenlänge als constant an. Die Formeln, deren ich mich bei dieser
Rechnung bediente, habe ich im Anhang I. mitgetheilt. Sie sind unter Berücksichtigung je dreier auf einander
 folgender 10 cbem.-Messungen aus der Lagrange’schen Interpolationsformel abgeleitet.
Ausserdem schien es mir für den vorliegenden Zweck durchaus unstatthaft, den Fehler des
Meniscus für jede Röhre als eine constante Grösse zu betrachten, da die Höhe des Meniscus und mit ihr
auch der Fehler desselben je nach dem Widerstande, welchen die Quecksilbersäule beim Steigen oder Fallen
findet, durchaus verschieden ist. So habe ich den Meniscus bei meinen Untersuchungen in denselben Röhren
die verschiedensten Höhen von unter 0 mm. bis 1,7 mm. annehmen sehen, und es würde hierdurch leicht
im ungünstigen Falle bei 700 mm. langen Röhren ein Volumenfehler von 0,3 pCt. entstehen können, ein
Werth, welcher die in den ausziehenden Wettern enthaltene Menge an Kohlenwasserstoffgas weit übertrifft,
Viel genauere Resultate erzielt man, wie mir hierauf bezügliche Versuche gezeigt haben, wenn man den
Fehler des Meniscus seiner Höhe proportional setzt, nnd zwar genügt es vollkommen, den jedesmaligen Fehler
gleich der halben Höhe, also den halben Fehler gleich der viertel Meniscushöhe anzunehmen. Ich bestimme
deshalb nach jeder Ablesung des Meniscusgipfels auch die Meniscushöhe durch Ablesung der Basis und füge
zu der ersten Ablesung ein Viertel der Höhe hinzu. Für die so corrigirte Ablesung sind auch durch ähnliche
 Meniseushöhen-Bestimmungen bei der Calibrirung der Röhren die Caliber-Tabellen berechnet.
Von sehr bedeutendem Einflusse auf die Genauigkeit der Beobachtungsresultate ist der mehr oder
minder erfolgte Ausgleich der Temperaturen in den Instrumenten; denn schon bei trocken gemessenen
Gasen entspricht einer Temperatur-Differenz von 0,1° C. eine Volumendifferenz von 0,037 pCt. und bei feucht
gemessenen Gasen ist die letztere noch weit erheblicher. Es wurden deshalb vor jeder Ablesung die
Apparate in dem durch Doppelwände, Doppelthüren und Doppelfenster gegen äussere Temperatureinflüsse
möglichst geschützten Beobachtungsraume mindestens zwei Stunden sich selbst überlassen, Hierbei stellte
sich nun aber ein anderer Uebelstand heraus. Infolge der im Zimmer herrschenden Ruhe nehmen die
höheren Luftschichten eine höhere Temperatur an, als die tiefer aufgestellten Apparate, und durch das spätere
Betreten des Raumes, mag dies auch noch so vorsichtig geschehen, werden diese wärmeren Luftschichten
in Bewegung gesetzt. Es findet dann sehr bald ein Steigen des Thermometers um einige Zehntel Grade

1) R. Bunsen, Gasometrische Methoden. 1857. Seite 84.
            
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