Full text : Untersuchung der ausziehenden Wetterströme in den Steinkohlen-Bergwerken des Saarbeckens

Untersuchung der ausziehenden Wetterströme in den Steinkohlen-Bergwerken des Saarbeckens. 43
Rechnung getragen werden, da man selbst durch die stärksten herstellbaren Wetterströme ihren Folgen
nicht entgegen zu wirken vermöchte, Die übrigen Schwankungen aber verändern das Temperament nicht
so erheblich, dass es nicht als Anhalt für die Berechnung der erforderlichen Wettermengen dienen könnte,
besonders, wenn es durch wiederholte Analysen controlirt wird.
Bei der Vergleichung der chemischen Temperamente der verschiedenen Wetterströme unter einander
lässt sich kaum eine Gesetzmässigkeit nachweisen. Auch dürfte bei der grossen Anzahl Factoren, welche
verschieden wirkend die Verschlechterung der Wetter verursachen oder modificiren, nicht erwartet werden,
dass sich eine solche zeigen würde,
‚Will man sich aber mit Durchschnittszahlen begnügen, so ergibt sich deutlich, dass die hangenderen
 Flötze eine weit grössere wetterverschlechternde Wirkung besitzen, als die liegenderen.
Besonders die Grubengas-Aufnahme, welche wohl nur allein von dem chemischen Charakter der
Kohle abhängt, zeigt eine regelmässige Abnahme vom Hangenden zum Liegenden, im Sauerstoff- Verluste
aber und in der Kohlensäure-Aufnahme entzieht sich die Grube Friedrichsthal der Abnahme, welche in den
chemischen Temperamenten der liegenderen und hangenderen Gruben ausgesprochen ist,
Ausserdem scheint auch die wetterverschlechternde Wirkung mit der Teufe zuzunehmen, So zeigte
sich, wie schon früher angeführt, eine Zunahme des chemischen Temperamentes der Grube Heinitz, nachdem
 der Abbau in einer tieferen Sohle begonnen hatte, und das im Verhältniss zu den übrigen Gruben
der liegenden Parthie hohe Temperament der Grube Dudweiler lässt sich nur darauf schieben. dass dieselbe
weit mehr als die übrigen Gruben in die Tiefe vorgedrungen ist.
Um nun mit Hülfe des bekannten chemischen Temperamentes einer Grube die nöthige Wettermenge
ihres Wetterstromes berechnen zu können, ist es noch vorerst erforderlich, ein für allemal diejenigen für
alle Gruben gültigen Grenzwerthe zu ermitteln, welche die procentischen Verschlechterungen der ausziehenden
Wetterströme nicht überschreiten dürfen, wenn dieselben den Anforderungen der Gruben genügen sollen.
Hierin aber wird zunächst noch eine gewisse Willkür herrschen müssen, da die bis zur Zeit gemachten.
hierauf bezüglichen Erfahrungen fast garkeine Anhaltspunkte bieten.
‚Wohl würde man aus den verschiedenen, freilich nicht wenig von einander abweichenden Angaben
mit einiger Annäherung eine Maximal-Grenze für den Kohlensäure-Gehalt und eine Minimal-Grenze für
den Sauerstoff-Gehalt bestimmen können, über welche hinaus die Luft schon bei einem kurzen Aufenthalte
in derselben lebensgefährlich wird; und zwar würde sich die erste Grenze etwa anf 8 pCt., die zweite auf
15 pCt. festsetzen lassen. Aber nicht diese augenblickliche Gefahr bringende Verschlechterung der Wetter
kommt bei der Berechnung der nöthigen Wettermengen in Betracht, sondern die weit geringere, bei welcher
ein längerer und wiederholter Aufenthalt in der verschlechterten Luft langsam den Organismus zerstört,
ohne dass gerade augenblickliche Beschwerden verspürt würden. Auch hierüber finden sich vereinzelte
Angaben. So will Angus Smith die Luft schon als entschieden verschlechtert betrachtet wissen, wenn ihr
Sauerstoffgehalt auf 20,6 pCt. herabgesunken ist, und er hat schon deutliche Kinwirkung auf den Organismus
bemerkt bei einem Kohlensäuregehalte von 0,1 pCt. Doch darf man derartigen Angaben nicht zu grosses
Gewicht beilegen, da schon die grossen Schwierigkeiten, mit welchen die Ermittelung dieser Werthe verknüpft
 ist, zu einigem Misstrauen berechtigen, Man kann aus ihnen nur den Schluss ziehen, dass die
Grenzen der Schädlichkeit von der normalen Zusammensetzung der atmosphärischen Luft nur sehr wenig
abweichen. Kine genauere Bestimmung der zulässigen Verschlechterung in den ausziehenden Wetterströmen
kann wohl nur durch weit ausgedehnte, langjährige Beobachtungen erzielt werden, wobei unter gemeinschaftlichem
 Wirken der Knappschaftsärzte und Chemiker der Gesundheitszustand der Belegschaft mit der Beschaffenheit
 der Wetterströme verglichen wird.
Die Bestimmung der Zulässigkeitsgrenzen des Grubengas-Gehaltes ausziehender Wetterströme stösst
auf nicht geringere Schwierigkeiten, als diejenige der Grenzen für den Sauerstoff- und Kohlensäure-Gehalt,
wenn auch die Schwierigkeiten in beiden Fällen auf verschiedenen Ursachen basiren. Da das Grubengas
selbst bei längerer Einathmung keinen schädlichen Einfluss auf den menschlichen Organismus auszuüben
scheint, so ist nur dafür zu sorgen, dass dasselbe an keiner Stelle des Wetterstromes. in einer Menge vor-Anle


            
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