Full text : Untersuchung der ausziehenden Wetterströme in den Steinkohlen-Bergwerken des Saarbeckens

Untersuchung der ausziehenden. Wetterstrüme in den Steinkohlen-Bergwerken des Saarbeckens. 39

Diese beiden Beispiele beweisen zur Genüge, dass man die Oxydation des Schwefelkieses als einen
der kräftigeren wetterverschlechternden Factoren zu betrachten, hat und hierzu ist man nm so mehr genöthigt,
 als auch noch ihre Endproducte: die Oxyde des Eisens und der Gyps sich weiter an der Versehlech-;erung
 der Wetter betheiligen,
Es ist Thatsache, dass das Grubenwasser eine kräftig-oxydirende Wirkung auf organische Stoffe
anszuüben vermag, und dieser Eigenschaft, nicht etwa einer durch freie Säure bewirkten sauren Reaction,
verdankt es die Benennung: saures Wasser. Wenn auch schon das süsse Wasser im Stande sein wird,
den Sauerstoff der Luft langsam auf die organische Materie zu übertragen, so ist dies doch in weit höherem
Grade beim sauren Wasser der Fall, und diese stärkere Wirkung kann nur den in ihm gelösten mineralischen
Stoffen zugeschrieben werden,
Es ist bekannt, dass die Vermoderung der Holzfaser, welche auf reiner Oxydation beruht, überaus
schnell vor sich geht, wenn die Letztere sich in Berührung mit Eisenoxyd, Wasser und Luft befindet. Das
Eisenoxyd bildet hierbei die Brücke, welche den durch das Wasser aus der Luft absorbirten Sauerstoff der
Holzfaser zuführt; es wird beständig reducirt und wieder oxydirt und kann so seine Wirksamkeit ungeschwächt
 und unbegrenzt fortsetzen, so lange überhaupt noch oxydirbare Substanz vorhanden ist. In der
Grube wird dieser Process üderall dort vor sich gehen, wo das Holz jemals von dem aus den Klüften der
Kohle und .des Gesteius sickernden, noch KEisensalze enthaltenden Wasser berührt wurde. Denn nachdem
las Eisen einmal in das Holz eingedrungen, ist es durch die Unlöslichkeit des sich bald bildenden Eisen-»xydes
 daran gefesselt, und die geringste Menge desselben genügt, wie bei jeder chemischen Brücke, um
den Process in voller Kraft vor sich gehen zu lassen. Das nöthige Wasser aber ist wohl immer vorhanden,
denn in der feuchten Grubenluft wird das Holz niemals trocken.
Gleicherweise sind auch die schwefelsauren Salze des Grubenwassers, namentlich der Gyps, nicht
zu verachtende Oxydationsmittel für organische Substanzen. Der (iyps (CaSO,) gibt seine vier Atome
Sauerstoff an die organische Substanz ab, wodurch er zunächst in unlösliches Caleiumsulfuret (CaS) verwandelt
 wird, Dieses zersetzt sich sehr bald unter Aufnahme von Wasser in lösliches Schwefelwasserstoff-Schwefelcalcium
 (H,CaS,) und Kalk (CaO). Der Schwefelwasserstoff der ersteren Verbindung wird dam
entweder durch vorhandene Kohlensäure befreit und darauf langsam durch den absorbirten Sauerstoff des
Wassers zu Schwefelsäure und Wasser oxydirt, oder er verbindet sich mit etwa vorhandenen Eisenoxyden
zu Schwefeleisen, Welches ebenfalls durch Oxydation in schwefelsaures Salz übergeführt wird. In beiden
Fällen kehrt aber die Schwefelsäure zuletzt wieder zum Kalk zurück, und der so entstandene Gyps kann
aufs Neuc wieder den Kreislauf beginnen,
Wenn es auch schwer halten würde, die durch die Vermoderung des Grubenholzes verursachte
Wetterverschlechterung durch Zahlen auszudrücken, so dürfte man doch zu der Behauptung berechtigt sein,
dass die verschlechternde Wirkung des unter Mitwirkung so kräftiger Oxydationsmittel verlaufenden Processes
 nicht hinter derjenigen der Schwefelkies-Oxydation zurücksteht.
Auch das Eisen ist in der Grube einer stärkeren Oxydation unterworfen, als über Tage, und der
Bergmann pflegt dieselbe ebenfalls der Wirkung des sauren Wassers zuzuschreiben. Directe hierauf bezügliche,
 im Laboratorium angestellte Versuche haben mir aber bewiesen, dass das saure Wasser hierbei keine
kräftigere Wirkung auszuüben vermag, als chemisch reines Wasser. Es wurden nämlich drei gleiche Eisenplatten
 in offenen Bechergläsern, die eine mit destillirtem Wasser, die zweite mit Gypslösung und die dritte
mit einer Lösung von schwefelsaurer Magnesia übergossen, wochenlang sich selbst überlassen. Nach dieser
Zeit wurde das 0xydirte Eisen bestimmt, und es zeigte sich, dass in allen drei Flüssigkeiten nahezu dieselbe
 Eisenmenge oxydirt worden war, wenn auch freilich der chemische Process in ihnen ein verschiedener
gewesen sein musste, In dem destillirten Wasser haftete das Eisenoxydhydrat grösstentheils noch an der
Eisenplatte, während es in den Lösungen entfernt von der Platte den ganzen Boden des Becherglases gleichmäüssig
 bedeckte, In den Lösungen musste demnach das zunächst entstehende Eisenoxydul mit den Salzen
in Wechselwirkung getreten und erst später, nachdem es sich im Wasser gelöst von seinem Entstehungsorte
 entfernt hatte, der weiteren Oxydation verfallen sein, während das Eisen im destillirten Wasser an
            
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