Full text : Untersuchung der ausziehenden Wetterströme in den Steinkohlen-Bergwerken des Saarbeckens

Untersuchung der ausziehenden Wetterströme in den Steinkohlen-Bergwerken des Saarbeckens, 37

wenigstens annähernd ein Mass seiner wetterverschlechternden Wirkung zu besitzen. Für die Zersetzung
der Kohle und Vermoderung des Grubenholzes möchte dies wohl kaum zu erlangen sein; denn Versuche,
welche im Kleinen mit Kohlen- und Holztheilchen gemacht wurden, auf den unter so verschiedenen Verhültnissen
 vor sich gehenden Process im Grossen zu übertragen, wäre ein sehr gewagtes Unternehmen,
Die sauerstoffvermindernde Wirkung des Schwefelkieses lässt sich aber, wie im Folgenden gezeigt wird.
aus der Zusammensetzung und Menge des Grubenwassers berechnen.
Der Schwefelkies (FeS„) findet sich theils in Nieren und Streifen im Bergmittel, theils in Gestalt
feiner Blättchen auf den Klüften der Steinkohle. In der letzteren Form scheint er durch seine feine Vertheilung
 am meisten der Oxydation unterworfen zu sein.
Die ersten Producte der Oxydation, welche wohl nur auf Kosten desjenigen Sauerstoffes geschieht,
den das die Klüfte durchdringende Wasser absorbirt enthält, sind Eisenvitriol und Schwefelsäure:
FeS, + 70 = FeSO, +5S0,.
Später gehen diese Verbindungen, welche im Wasser gelöst die Klüfte durchsickern, ınit dem ebenfalls dort
abgelagerten Dolomit |[(Ca-+Mg)CO,] eine Zersetzung ein, wobei die Schwfelsäure vollständig an Kalk
and Magnesia gebunden wird. War im Wasser noch freier Sauerstoff bei der obigen Oxydation übrig geblieben
 oder hatte dasselbe schon wieder Gelegenheit gehabt, neuen Sauerstoff aus der dem Grubenbau erfüllenden
 Luft aufzunehmen, so wird das durch Kalk und Magnesia ausgeschiedene Eisenoxydul sofort zu
Oxyd höher oxydirt, welches sich als Hydrat (H,Fe,0,) an Stelle des gelösten Dolomites ablagert, War
aber Letzteres nicht der Fall, so bildet sich zunächst kohlensaures Eisenoxydul (FeCO,); doch auch dieses,
welches sich in dem kohlensäurehaltigen Wasser gelöst erhält, muss bei späterem Austritt an die Luft
durch Oxydation in freiwerdende Kohlensäure und unlösliches Oxydhydrat zerfallen, so,dass das durch die
Wasserhaltung zu Tage geförderte Grubenwasser von den Oxydationsproducten nur die Schwefelsäure, gebunden
 an Kalk und Magnesia enthalten kann.
Diese Annahme wird durch die Resultate der Grubenwasser-Analysen vollkommen bestätigt. Das
Grubenwasser enthält neben verhältnissmässig geringen Mengen anderer Stoffe fast nur Gyps und schwefelsaure
 Magnesia in grösseren Mengen aufgelöst, während von den Oxyden des Eisens nur geringe Spuren
vorhanden sind. So ergab die Analyse des Wassers, welches durch die Wasserhaltung der Grube Dechen
aus der Tiefban- und Saarsohle zu Tage gefördert wird, in einem Liter einen Gehalt an aufgelösten
Stoffen von

MgO = 0,4656 Gramm.
CaO = 0,2374
OO = 0,0116
Si0, = 0,0188
SO; = 1,2145
Geringe Mengen von Alkalien und Chlor, sowie die Kohlensäure sind nicht bestimmt worden.
Die grosse Menge Schwefelsäure kann nur von der Oxydation des Schwefelkieses herrühren, da
Schwefelsaure Salze in den hiesigen Gesteinschichten nicht vorkommen; sie ist vollständig an Kalk und
Magnesia gebunden.
Das von der Oxydation herrührende Eisenoxydhydrat findet sich in der Grube an allen von Wasser
berieselten Gesteinwänden und auf den Spaltungsflächen der Kohle und der Bergmittel, häufig den Dolomit
einhüllend, In manchen Vertiefungen der Grubenwände häuft es sich bedeutender an und es entstehen
dann tropfsteinartige Gebilde, welche zapfenförmig von ber Decke niederhängen, Ein solcher Zapfen aus
einer Nische der Grube Dechen enthielt 78,409 pCt. Fe,0,. Es hatte hier also schon das ursprüngliche
Hydrat H;F,0O, einen Theil seines Hydratwassers abgegeben und war in ein wasserärmeres Hydrat übergegangen.

Der bei der Oxydation gebundene Sauerstoff ist entweder direct den Grubenwettern entnommen und
durch das Wasser dem Schwefelkies und Eisenoxydul zugeführt, oder das Tagewasser brachte ihn bei seinem
            
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