Full text : Untersuchung der ausziehenden Wetterströme in den Steinkohlen-Bergwerken des Saarbeckens

Untersuchung der ausziehenden Wetterstrüme in den Steinkohlen-Bergwerken des Saarbeckens.

wurden für diesen Zweck als Zusammensetzung der einfallenden atmosphärischen Luft, welche bekanntlich
nur geringen Schwankungen unterworfen ist, die Mittelwerthe
O0 = 20,95 pCt.
N — 79,01 -
CO, — 0,04
angewandt und angenommen, dass die Stickstoffmenge der Wetter auf ihrem ganzen Wege durch die Grube
unverändert bleibt (Anhang III). Zu der letzteren Annahme halte ich mich vollkommen berechtigt durch
die grosse chemische Indifferenz des Stickstoffs, welche eine Zunahme oder Abnahme der Stickstoflmenge
infolge eines chemischen Processes wenigstens äusserst unwahrscheinlich macht. Eine directe Verbindung
mit anderen Elementen vermag der freie Stickstoff bekanntlich nur unter Mitwirkung sehr kräftiger Agentien,
wie starke electrische Entladungen, sehr hohe Temperaturen etc., einzugehen, welche in der Grube gänzlich
fehlen; und sollte bei der langsamen Zersetzung der Kohle Stickstoff ausgeschieden werden, so kann dies
sicher nicht freier, sondern nur mit Kohlenstoff und Wasserstoff verbundener Stickstoff sein. Dass aber
derartige Stickstoff- Verbindungen den Wettern in messbaren Mengen beigemengt wären, ist bisher noch
nicht zu ermitteln gewesen.
Wenn nun aber keine Vermehrung oder Verminderung der Stickstoffmenge durch chemische Processe
angenommen werden darf, so kann überhaupt durch die Inhalation und Exhalation der Kohle keine Veränderung
 derselben erfolgen, oder wenigstens nur eine sehr geringe infolge der barometrischen Schwankungen.
Um ferner aus der procentischen Verschlechterung der Wetter die stündliche Totalverschlechterung,
a. h. diejenigen Gasmengen zu berechnen, welche dem Wetterzuge in der Grube pro Stunde an Sauerstoff
 geraubt oder an Kohlensäure und Grubengas beigemischt werden, war es nothwendig, mit Hülfe anemometrischer
 Beobachtungen die Wettermenge zu ermitteln, welche pro Stunde die Grube durchströmt.
Eine genaue Bestimmung der Wettermenge ist nun aber, wenn nicht ganz unmöglich, so doch mit
sehr grossen Schwierigkeiten verbunden; man muss sich daher mit Näherungswerthen begnügen, Um jedoch
eine möglichst grosse Annäherung zu erzielen, wurden mehrere Voruntersuchungen unternommen, bei welchen
die Wettergeschwindigkeit mehrerer Wetterströme in möglichst vielen Punkten desselben Querschnittes der
Wetterstrecke mit Hülfe eines Casella’schen Anemometers gemessen wurde. Aus den Resultaten dieser
Untersuchungen ergab sich zunächst, dass die Annahme der westfälischen Wetter-Untersuchungscommission !),
nach welcher die Wettermenge gleich dem Producte aus dem Flächeninhalte des Beobachtungsquerschnittes
mal der Geschwindigkeit in der Mitte desselben sein würde, unrichtig ist. Wie die im Anhange IV. mitgetheilten
 Beobachtungsresultate zeigen, ist die Geschwindigkeit des Wetterstroms in den verschiedenen
Punkten des Querschnittes sehr verschieden. Sie besitzt nur ein einziges Maximum, welches, wenn auch
fast nie in der Mitte des Querschnittes, so doch derselben stets sehr nahe liegt, und nimmt von diesem
Maximum aus nach allen Seiten hin continuirlich ab. Sollte nun die Wettermenge gleich dem obigen
Producte sein, so müsste die Geschwindigkeit der Querschnittsmitte ein entsprechender Mittelwerth aus
allen übrigen Geschwindigkeiten des Querschnittes sein, Dies ist aber nie der Fall, und man muss daher,
um die wirkliche Wettermenge zu erhalten, das Product aus dem Flächeninhalt des Querschnittes und der
Geschwindigkeit in der Mitte desselben mit einem vermindernden Näherungsco&fficienten multipliciren, welcher
zwischen den Grenzen 0,75 und 0,85 zu liegen pflegt. Für Strecken, welche in der gewöhnlichen Weise
mit Holz verbaut sind, kann der Coäffecient stets gleich 0,75 angenommen werden; grösser, etwa gleich
0,80, ist er zu setzen, wenn die Strecke unverbaut, also in festem Gestein aufgefahren ist, und er erreicht
zeine grösste Höhe gleich 0,85, wenn die Strecke mit Ziegelsteinen vollständig ausgemauert ist.
Die westfälische Wetter-Untersuchungscommission hält sich zu ihrer Annahme, dass das Product
aus dem Flächeninhalte des Beobachtungsquerschnittes mal der Geschwindigkeit in der Mitte desselben die
wahre Wettermenge liefert, infolge der Beobachtung berechtigt, dass für verschiedene Wetterzüge bei dieser
Voraussetzung die Wettermenge in der Hauptwetterstrecke mit der Summe der Wettermengen in den verschie-1)
 I. Nonne, die Wetterführung in den westfälischen Steinkohlengruben unter specieller Berücksichtigung der Arbeiten
der Wetter-Untersuchungscommission. (Im XXI. Bande dieser Zeitschrift [1873)).
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.