Full text: Hundert Jahre Neunkircher Eisenwerk unter der Firma Gebrüder Stumm

Geistliche, der Politik treibt, ist mir ein Greuel, und ich 
glaube, daß es im Himmel ebenso ist.“ Unmittelbar 
darauf ließ er ihm ein Telegramm zugehen, in dem es 
hieß: „Wer Christ ist, ist auch sozial. Christlich-sozial ist 
Unsinn und führt zur Selbstüberhebung und Unduldsamkeit, 
beides dem Christentum schnurstracks zuwiderlaufend. Die 
Herren Pastoren sollen sich um die Seelen ihrer Gemeinden 
kümmern, die Nächstenliebe pflegen, aber die Politik aus 
dem Spiele lassen, dieweil „„sie das garnichts angeht.““ 
Des weiteren ermächtigte ihn der Kaiser, öffentlich davon 
Gebrauch zu machen, daß der Kaiser die sogenannte christlich— 
soziale Agitation für ebenso schädlich, ja für noch schädlicher 
als die sozialdemokratische halte und den christlichen 
Sozialismus verurteile. Freiherr von Stumm-Halberg war 
das Mundstück kaiserlicher Willenskundgebungen geworden. 
UÜber der Freundschaft mit dem jungen Kaiser hatte Freiherr 
von Stumm-Halberg aber nicht den alten Kaiser vergessen, 
dessen Geburtstag, der Kaiser-Wilhelmstag, auch der Ge— 
burtstag des Besitzes der Stumms am Neunkircher Eisen— 
werk war. Am 22. März 1897 kehrte dieser Geburtstag 
zum hundertsten Male wieder, und der Leiter des Werkes 
ließ nicht nur an diesem Gedenktag die Werkarbeit ruhen, 
sondern spendete auch jedem seiner Hüttenleute einen 
Festbetrag. 
An der Jahrhundertwende konnte Freiherr von Stumm— 
Halberg wohl mit Befriedigung den Blick schweifen lassen 
über das, was aus seinem Werke im letzten Menschenalter 
geworden war. Nur noch wenige Jahre trennten ihn von 
der Feier des Tages, an dem das Neunkircher Eisenwerk 
ein Jahrhundert dem Hause Stumm gehörte. Er sollte 
diesen Tag nicht mehr erleben. 1900 stellte sich eine 
tückische Erkrankung ein, welche rasch seine Riesenkraft
	        
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