Full text : Das Gymnasium zu Saarbrücken

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einen Festakt eingeweiht. Nachdem der Direktor Zimmermann
in der Ludwigskirche in Gegenwart sämtlicher Behörden vor
einer zahlreichen Versammlung die Einweihungsrede gehalten,
wurden die Schüler in festlichem Zuge in das neue Gebäude
geführt.

Es war jedoch ein großer Übelstand, daß das Gymnasium
 nicht das volle Benutzungsrecht in diesem Gebäude
erhielt. Nur der ÖOberstock, in dem 6 Klassenzimmer eingerichtet
 waren, wurde dem Gymnasialunterricht überwiesen; dazu
 kam nur der Speicher, auf dem die Bibliothek und die
mathematisch - physikalische Sammlung notdürftig untergebracht
 werden mußten, und der Turm, in dem der‘ anfangs
unbesoldete Schuldiener seine Wohnung erhielt. Im Unterstock
 wurden vier KElementarklassen unterrichtet, da die
städtischen Schulhäuser zugunsten des Gymnasialumbaues
verkauft worden waren. Diese räumlichen Übelstände wurden
denn auch von dem Regierungsrat Lange, der im Januar 1825
eine Revision der Anstalt vornahm, gebührend hervorgehoben,
„Es fehlt gänzlich an einem Konferenzzimmer und selbst an
einem anständigen Raum, wo sich die Lehrer vor oder zwischen
den Lektionen aufhalten können; sie bringen diese Zeit, selbst
im Winter, auf dem Gange zu.) Am fühlbarsten aber ist der
Mangel eines Saales oder auch nur eines so geräumigen
Klassenzimmers, daß alle Schüler darin Platz hätten. Gemeinschaftliche
 Gesangübungen und religiöse Versammlungen der
ganzen Anstalt, welche so sehr zur Erbauung und zur Erregung
 eines besseren Sinnes unter den Schülern beitragen,
können also gar nicht stattfinden; alles, was in dieser Hinsicht
 geschieht, steht vereinzelt da und verfehlt dadurch seine
Wirkung. Die öffentlichen Prüfungen werden in der großen
Stadtkirche gehalten, was zwar an mehreren Orten gebräuchlich
 'ist, überall aber noch mancherlei Übelstände mit sich
führt. Außerdem liegt das Schulgebäude nach allen Seiten
hin an der Straße; es ist also natürlich, daß der bürgerliche
Verkehr, das Fahren der Wagen, das vorbeiziehende Militär
und dgl. häufige Störungen während des Unterrichts verursachen.
 Endlich fehlt es gänzlich an einem abgeschlossenen

1) Dieser traurige Zustand hat noch 60 Jahre fortgedauert! Die
älteren Lehrer empfanden ihn nicht allzu schwer, weil ihre Wohnungen in
anmittelbarer Nähe der Anstalt lagen.
            
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