Full text : Das Gymnasium zu Saarbrücken

91

nachdem er fast 50 Jahre an der Schule unterrichtet und 40
Jahre sie geleitet, ihre Blüte und ihren Verfall erlebt hatte.
Kiefers Nachfolger wurde der Pfarrer Zimmermann, unter
dem die Schule »college« genannt und 1814 der Akademie in
Metz unterstellt wurde. Da das Stift St. Arnual jede Mehrleistung
 ablehnte, so bewilligte die städtische Verwaltung im
Jahre 1811 einen Zuschuß von 800 Frecs, für die Schule und
ermöglichte dadurch die Anstellung eines vierten (französischen)
Lehrers. Die Stelle erhielt Philipp Mügel; sein Gehalt wurde
im folgenden Jahr auf 1000 Fres. erhöht und gleichzeitig 80 Fres.
für Preise ausgesetzt. Das Einkommen der Anstalt belief sich
1814 auf 4705 Fres. 70 Cents., die Ausgaben auf 4898 Fres.
70 Cents. Das Defizit von 193 Fres. wurde durch Verminderung
der Gehälter des Direktors und der beiden ersten Lehrer gedeckt!

VII. Die Umwandlung der Schule in ein
Königliches Gymnasium.

Am 30. November 1815 ergriff die preußische Regierung
Besitz von der ehemaligen Grafschaft Saarbrücken. »Unser
äußeres Unglück hat ein Ende«, sagte damals der Superintendent
 Hildebrand in seiner ‚Sieges-, Dank-, Friedens- und Huldigungspredigt‘.
 »Aber wir trugen noch härteres Unglück durch
die Geistestyrannei, unter welcher wir seufzten. Wir waren
Fremdlinge in unserm eigenen Lande. Unsere herrliche deutsche
kraftvolle Sprache und mit ihr unser treuer deutscher Sinn
sollte vertilgt und Übermut, Falschheit und Verachtung unserer
Brüder sollte an die Stelle deutscher Tugenden gesetzt werden.
Der Eingang deutscher Bücher war mit beinahe unüberwindlichen
 Schwierigkeiten verbunden, der Fleiß unserer studierenden
 Jugend war hart besteuert. Ein Deutscher zu sein, deutsche
Gesinnung zu äußern, war ein strafwürdiges Verbrechen. Alle
diese Fesseln sind jetzt zerbrochen. Dies ist der Tag, den uns
der Herr gemacht hat. «
Alsbald bemühten sich die Geistlichen und Lehrer, den
deutschen Charakter der Schule wieder herzustellen. Bereits
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.