Full text : Das Gymnasium zu Saarbrücken

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sittliche Führung wurden Prämien ausgesetzt, “auch konnten besonders
 tüchtige Schüler Freijstellen an einem Lyceum erhalten.
Der Unterricht dauerte von 8 bis 10 und 2 bis 4 Uhr; Mittwoch
und Samstag Nachmittag war frei, ebenso der erste Mittwoch
Vormittag jeden Monats. Die großen Ferien dauerten vom
13. Fructidor bis zum 15. Vendemiaire. Die Schule bestand aus
sechs Klassen, doch wurden je zwei von einem Lehrer gemeinsam
unterrichtet; an die Stelle des verstorbenen Konrektors Kiefer
war der Pfarrer Zimmermann getreten. Im Lateinischen wurden
in den mittleren Klassen Phaedrus und Curtius gelesen. In
den beiden obersten Klassen erklärte Kiefer ausgewählte Stellen
aus Ovid, Virgil und Horaz. Das Hauptgewicht im Unterricht
wurde auf das Französische gelegt. Die Zahl der Schüler belief
 sich auf 39, im Jahre 1808 auf 53 Köpfe. Der ganze Unterhalt
 der Schule wurde von dem Stift mit 2673 Fres. bestritten,
von denen 300 Fres. für Heizung, Schuldiener, Sammlungen und
Preise verwendet wurden. Wie ärmlich die Verhältnisse der
Schule damals waren, beweist eine Eingabe, welche Kiefer am
|. Pluviose XIII (1805) an die Mairie Saarbrücken richtete. Er
bat um einen Tisch für den dritten Schulsaal, um 50 Homannsche
Landkarten, das Stück zu 15 oder 16 Kreuzer, um eine Anzahl
Schreibvorlagen und um noch eine Klafter Holz. Das Stift
habe nur drei Klafter bewilligt, doch diese genügten nicht zur
Heizung von drei Öfen; die Schüler könne man nicht mehr
besteuern, da sie ein so schweres Schulgeld bezahlen müßten.
Das Dach müsse ausgebessert werden; vier Fenster seien gyänzlich
 zerbrochen, und im Giebel sei ein großes Loch, durch
welches der Regen hereinfalle. Der Direktor wünschte endlich,
etwa 10 bis 12 Gulden bar zur Verfügung zu haben, um die
augenblicklichen Bedürfnisse an Kreide, Schwämmen, Linealen
usw. zu bestreiten,
Als im Jahre 1806 die Verwaltung des Stiftsvermögens
von St. Arnual dem Konsistorium überwiesen wurde, trat Kiefer
für die Rechte der Schule ein und machte geltend, daß, nachdem
 der Staat die Besoldung der Geistlichen übernommen
habe, die Stiftsgüter nunmehr ihrer ursprünglichen Bestimmung,
der Unterhaltung des Gymnasiums, zurückzugeben seien. Das
Konsistorium wies aber die Beschwerde ab und bewilligte Kiefer
nur eine persönliche Gehaltszulage von 220 Frecs, Dieser ließ es
zwar hierbei nicht bewenden, doch seine Vorstellungen hatten
keinen Erfolg. Kiefer starb am 26. März 1808, 75 Jahre alt,
            
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