Full text : Das Gymnasium zu Saarbrücken

schriben zu leren, im kore helfen zu singen und uff der orgel
zu spielen.
Item herumb sol man ime zu jare zu lone geben VI gulden
syn huß zu der schulen zu bestellen und in fryhe lassen als
die fruhemesser. Item sollen ime die burger von den kindern
den lone geben als man von eyme kinde zu St. Arnual pleget
zu geben mit sinen accidenzien. Item sollen die burger von
Sarbrucken ime daß huß bestellen und des lones bezalen
Il gulden. Item die burger von sant Johan sollent des lones
bezalen II gulden. Item sant jorgs bruderschafft soll des lones bezalen
 XVI schillinge, das wer zu jeglicher fronfasten 1III schillinge.«
Dieser Johann Grae oder Krahe') war wohl ein Geistlicher,
der die niederen Weihen erhalten hatte. Er übernahm also
die Verpflichtung, Latein, Deutsch und Schreiben zu lehren,
bei dem Chorgesang zu helfen und die Orgel zu spielen. Wir
sehen hieraus, daß die Stadtschule ganz nach dem Vorbilde
der geistlichen Schulen eingerichtet war und daß der Unterricht
im Latein im Vordergrund stand. Am Latein wurde ja auch die
deutsche Grammatik gelernt; die Kenntnis des Lateins war ausserdem
 nicht nur für die Zwecke der Kirche, sondern auch für
das bürgerliche Leben von grosser Bedeutung, sie war für jeden,
der ein weltliches Amt bekleiden wollte, unerlässlich. Dem
lateinischen Unterricht lag meistens der kleine Donat zugrunde,
jene im Mittelalter soviel gebrauchte lateinische Grammatik.”)
Daneben wurde eine Sammlung von Bibelsprüchen nach der
Vulgata, Stellen von Kirchenvätern und einigen moralischen
Sentenzen von Klassikern benutzt, Au zweiter Stelle stand der
Unterricht im Deutschen, Schreiben und Gesang. Der Schülerchor
 wirkte unter der Leitung seines Lehrers bei Gottesdienst
und Begräbnis mit.
Die Stadt Saarbrücken stellte das Schulhaus, das in der
Nähe der Schloßkirche lag. Die innere Ausstattung der Räume
fiel dem Schulmeister zu, der dafür 6 Gulden erhielt. Für den
öffentlichen Unterricht empfing er von beiden Städten je 2
Gulden; diese Bezüge flossen aus den Bruderkassen der beiden
städtischen Kirchen zu St. Nicolaus und St. Johannes. Hierzu

) Der Name kommt auch sonst vor; 1554 bis 1611 war ein Johann
Krahe Pfarrer in Dudweiler,
2) Aelius Donatus lebte im 4, Jahrhundert nach Chr. Seine Grammatik
 erfuhr verschiedene Bearbeitungen, und der Name Donat wurde geradezu
gleichbedeutend mit lateinischer Grammatik.
            
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