»Das Lokal ist hier so schlecht«, sagt er, »als schwerlich
in irgend einem andern Orte Teutschlands, Auch die innere
Einrichtung der Schulstuben ist schlecht. Elende, erbärmliche
Tische und Bänke von dünnen tannenen Dielen, keine Schränke,
wo man Bücher, Schriften und anderes Schulgeräte verschließen
könnte; kein Ort, wo man erhaben säße, um 2 bis 3 Tische
mit einem Blick zu übersehen.« Ein Versammlungssaal war
nicht vorhanden; die Schulakte mußten in dem Saale des
Waisenhauses am Ludwigsplatz (jetzt Dragonerkaserne) abgehalten
werden. Um diesen Übelständen abzuhelfen, beantragte
Kiefer den Bau von neuen nebeneinandergelegenen Schulzimmern
und Sälen, die dauerhaft und bequem einzurichten
seien, und empfahl zu diesem Zwecke das Haus des Konrektors,
welches durch einen Anbau zweckentsprechend vergrößert
werden könne. Aber seine Vorschläge wurden höheren Orts
nicht genehmigt, sondern die Klassen des Gymnasiums wurden
1776 in ein an der Südseite des Ludwigsplatzes gelegenes Haus,
welches dem Stift gehörte, (jetzt Stiftskasse) verlegt, obwohl
sich dieses Wohngebäude zur Schule durchaus nicht eignete.
Den Unterricht führte Kiefer in Belzers Geiste fort. Wir
hören, daß die zu lehrenden Fächer und die Zahl der Stunden
in einem ratifizierten Lehrplan festgesetzt waren, aber trotzdem
fühlte Kiefer sich vor »Revolutionen« nicht sicher. Wir finden
jetzt auch Deutsch als besonderen Unterrichtsgegenstand. Statt
Logik und Metaphysik »nach einem abstrakten, starren, stachlichten,
verketteten Compendio« zu erklären, trieb er in Prima
‚philosophische Historie‘ die ihm geeigneter als Vorbereitung
auf. die Akademie erschien.
Die bespöttelten Redeübungen ließ Kiefer nicht fallen,
wie das Programm vom Frühjahr 1776 zeigt. Die Vorträge
sind charakteristisch genug, um hier mitgeteilt zu werden,
Zuerst redeten die vier Exempten (Abiturienten), und
zwar behandelten sie außer der Danksagung an die Schule
folgende Aufgaben:
Wilhelm Henrich Dern (französisch): von dem Schönen in
Künsten und Wissenschaften zum Unterschiede vom
Wahren und Nützlichen.
Henrich Kaspar Rumpel (deutsch): von der Größe und Würde
des Menschen.
Ludwig Henrich Drach (lateinisch): von der rechten Aussprache
des Griechischen.