Full text : Das Gymnasium zu Saarbrücken

es

Frequenz, die kein sicheres Merkmal einer guten Schule sei,
werde beurteilt werden,« und schließt den Wunsch daran, daß
die Schule gegen hämische Urteile unkundiger Richter gnädigst
geschützt und durch Sachverständige öfters in den Klassen
obrigkeitlicher Augenschein genommen werde, und daß ferner,
da die Klagen über die Abnahme der studierenden Jugend
allgemein seien und geschickte Leute immer seltener würden,
»durch bezeugtes hohes und gnädiges Wohlgefallen die Lust
zum Studiren werde ermuntert werden.« So wies Kiefer mutig
die Anfeindungen unberufener Beurteiler zurück.

In der Einladung zum Frühlingsexamen 1776 spricht Kiefer
kurz von dem damals vielgenannten Philanthropinum Basedows
in Dessau und weist darauf hin, dass Dessau gewiß nicht der
einzige Ort sei, wo man bisher die Schüler mit Menschenliebe
unterrichtet habe. Die neue Anstalt habe gewiß ihre Vorzüge,
aber auch ihre Schwächen. Man solle sie daher beobachten
und das Böse verwerfen, das Gute aber behalten. Einige
Grundsätze der Philanthropinisten glaubt Kiefer von vornherein
verwerfen zu müssen; so sei die Behauptung, daß man auch
die alten Sprachen durch bloße Routine lernen und fünf oder
sechs Sprachen zugleich neben den Realien lehren könne, eine
Chimäre.

Die äußeren Verhältnisse der Schule waren bei dem Amtsantritt
 Kiefers die denkbar traurigsten. Der stolze Wilhelmsbau
 war zerstört und für die Bedürfnisse des Unterrichts war
nur auf das notdürftigste gesorgt. Jede kleine Anschaffung
oder Änderung mußte bei dem Konsistorium beantragt werden;
war diese Behörde einverstanden, so mußte der Stiftsamtmann
noch die Anweisung geben, und so erwuchsen aus unbedeutendem
 Anlaß die umfangreichsten Schreibereien, Der
Schulbetrieb war durch Reformversuche immerfort gestört worden,
 und die Bevormundung des Rektors durch das Konsistorium
 ging so weit, daß dieses sogar den täglichen Stundenplan
 entwarf. Da die Stunden in den oberen Klassen bedeutend
vermehrt wurden, so reichten die vorhandenen Lehrkräfte nicht
mehr aus, und Kiefer sah sich genötigt, die Tertia und
Quarta zu vereinigen, so daß nur noch 3 Klassen bestanden.
Es ist uns eine handschriftliche Aufzeichnung Kiefers erhalten,
in welcher er einem Mitgliede des Konsistoriums gegenüber
sein Herz über die Schule und ihre Bedürfnisse ausschüttet.

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