Full text : Das Gymnasium zu Saarbrücken

SF

Chrestomathie auch die klassischen Schriftsteller kennen. Dann
wurde Freyers Sammlung griechischer Gedichte benutzt, auch
Homers Tlias zum Teil gelesen.
Das Französische wurde nach dem besonderen Wunsch
des Fürsten jetzt im Unterricht mehr gewürdigt. Der Lutherische
Katechismus wurde in diese Sprache übersetzt, auch das französische
 neue Testament bisweilen benutzt. Zu weiterer Übung
wurde in der Geographiestunde aus einer französischen Reisebeschreibung
 vorgelesen und zwei französische Zeitungen den
Primanern von dem Fürsten bewilligt, 1765 wurde ein Franzose
J. D. Macler aus Montbeliard, Subrektor. Er trat sein Amt an
mit einem »Discours sur les avantages qui rejaillissent de la
construction des bätiments«, in welchem er die Baulust des
Fürsten in überschwenglicher Weise pries. Macler erteilte
wöchentlich 24 französische Stunden in 3 Klassen.
Die Mathesis, d. h. Mathematik und Physik rühmt sich
Belzer zuerst gelehrt zu haben. Wir finden Algebra, Geometrie
und Trigonometrie in dem Lehrplan; in der Physik wurde die
Mechanik, Hydrostatik, Optik, Dioptrik, Katoptrik, Hydraulik,
Aerometrie, auch Astronomie und Perspektiv, ja sogar Artillerie-Fortifikation
 und Baukunst durchgenommen. Zur Förderung
des naturgeschichtlichen Unterrichts wurde eine Naturaliensammlung
 angelegt, die sich bald durch Geschenke sehr vermehrte.
 Der Fürst, welcher sich für diesen Unterricht besonders
interessierte, schenkte Erd- und Himmelsgloben und ließ verschiedene
 physikalische Instrumente, wie eine Luftpumpe, ein
Mikroskop, hydrostatische und akustische Apparate für die
Schule aus Paris kommen. Von der Fürstin erhielt das
Gymnasium ein Fernrohr und andere physikalische Geräte,
In der Philosophie wurde die Psychologie, Ethik, Logik,
auch theologische Naturphilosophie nach dem lateinischen
Lehrbuch von Ernesti behandelt. Die Geschichte wurde noch
nach Freyers Einleitung zur Universalhistorie getrieben und
auch lateinische geschichtliche Vorträge gehalten. Die Geographie
 sucht man möglichst anschaulich zu gestalten. In der
ersten Klasse wurde auch Heraldik getrieben. Das Hebräische
betrieb Belzer mit großem Eifer; er lehrte auch das sogenannte
Juden-Deutsch und las mit den Schülern das syrische neue
Testament. Besonderer deutscher Unterricht wurde nicht
erteilt; er wurde durch mündliche und schriftliche Übungen
in der Dicht- und Redekunst ersetzt. Musik, Rechnen,
            
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