Bürgersöhne beider Städte, die sich dem Studium widmen
oder eine nützliche Kunst erlernen wollten, hob das Schulgeld
auf und erwies sich in jeder Weise freigebig.
Die Gehälter der Lehrer wurden bedeutend verbessert.
Der Rektor stand sich 1762 an Geld und Naturalien auf 722
Gulden, der Prorektor auf 660 Gulden, der Konrektor auf
317 Gulden, der Subrektor auf 292 Gulden, wozu für den
letztern noch 200 Gulden Pfarrbesoldung und für alle freie
Wohnung kam.
Der Lehrplan des Wilhelmsgymnasiums, wie die Anstalt
jetzt oft genannt wird, liegt uns in einer Reihe von Programmen
aus den Jahren 1759 bis 1767 vor. Er bietet ein ganz anderes
Bild als die früheren Unterrichtsordnungen. Der Unterricht
ist viel umfassender geworden; man merkt den Einfluß der
neuhumanistischen Richtung, die besonders durch August
Hermann Francke, Gesner und Ernesti aufgekommen war. Es
wurden nicht nur eine Anzahl neuer Lehrfächer eingefügt,
sondern auch die bisherigen in einem freieren Geiste getrieben.
Der Unterricht begann mit Gebet, Katechismus und
Bibellektionen, die auch zur Übung des Lateinischen und
Griechischen benutzt wurden. Die sonntäglichen Predigten
mußten nachgeschrieben und Montags wiederholt werden. Die
Sprachen folgten so aufeinander, daß in der vierten Klasse
Latein und Französisch, in der dritten das Griechische und in
der zweiten das Hebräische begann; die beiden letzten Sprachen
waren wahlfrei. Im Lateinischen wurden in der dritten
Klasse Castellio, Nepos und Phaedrus, später Ovid, Caesar und
Virgil (auch Bucolica und Georgica), Ciceros Briefe und de
officlis, Cato maior, Laelius, Pxaradoxa, Tusculanen und
einige Reden, Tacitus’ Annalen und Germania gelesen. Außer
grammatischen und Stilübungen wurden auch Aufsätze geschrieben.
Aber man legte auf die formale Schulung und das
Lateinsprechen nicht mehr ausschließlich Wert, sondern beachtete
auch den ästhetischen und geschichtlichen Wert der
Schriftsteller und suchte in das Verständnis des Altertums
einzudringen. Deshalb wurde auf die Realien größeres Gewicht
gelegt und zur Förderung der Anschauung eine Kunstund
Münzsammlung angelegt.
Im Griechischen wurde vorzugsweise noch das neue
Testament gelesen, aber die Schüler lernten in Gesners