Full text : Das Gymnasium zu Saarbrücken

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Bischmisheim, und obwohl er gelobt hatte, die exercitia theologica
 nicht zum Nachteile der Schule zu treiben, fehlte er
des Montags, Magister Mosch hatte offenbar mehr Interesse
für die Landwirtschaft als für die Schule, Da er fünf Gärten
hatte, für die er nur 11 Albus Pacht bezahlte, so war es begreiflich,
 daß er für die Schule sehr wenig Zeit fand und einmal
 morgens früh zur Schulzeit vor der Marktpforte nach seinen
Kühen ausspähte, die nachts nicht zum Stalle gekommen waren.
Das schlechte Beispiel der Lehrer wirkte natürlich auf die
Schüler ungünstig ein. Wir finden folgende Gravamina visitatorum:
 »Unordnung bei Leichen, daß die Jugend zur Kirch
lauft wie die Schwein und allweg die ganze Schule mitgeht.
— Notam linguae et morum wieder mit Ernst in Schwang zu
bringen. Man hört die Jugend stets deutsch auf der Gasse
reden.) — Urlaub der Jugend zu geben, wird vom Zaun abgebrochen.
 summa petulantia. — Der Jugend Auslaufen zum
Jagen. «*)
Was den Unterrichtsbetrieb betrifft, so finden wir die
Mahnung, daß auf das examen contionum (die Prüfung der
Schüler über die Predigten, Mittwochs gleich nach dem Gottesdienst)
 gehalten werden solle; »certamina crebra bei Großen
und Kleinen in lectionibus logicis, rhetoricis, grammaticis, stylo
wieder in Gang zu bringen; exercitia crebra soluta et ligata
und fast alle Tag eins zu proponieren, sonderlich in Tertia,
Quarta, auch Secunda. Alle praeceptores, quartus sowohl als
andere, sollen lateinisch mit discipulis reden.« Bei einem Lehrer
wird gerügt, daß er im Examen bei der Erklärung der Psalmen
allzu genau nach dem Ursprung der Wörter fragte und Schwierigkeiten
 suchte, wo keine waren.
Im Lehrerkollegium kamen in dieser Zeit einige Veränderungen
 vor. Der Konrektor Stumpf wird seit dem Jahre
1609 nicht mehr genannt; er scheint im Jahre 1609 gestorben
zu sein. An seine Stelle sollte M. Götz, der Informator der
gräflichen Kinder, berufen werden, doch dieser lehnte ab; dagegen
 trat im März 1610 als Lehrer der fünften Klasse Johann

1) Wie oben (S. 34) erwähnt, wollte man die Schüler ganz zu jungen
Römern machen und verlangte von ihnen, daß sie auch außerhalb der Schule
Latein sprechen sollten.
% Die »deutschen Knaben« mußten bei den gräflichen Treibjagden
mit der Klapper ausziehen. Es scheint, daß auch die Gymnasiasten sich
lieber daran beteiligten als auf den Schulbänken saßen.
            
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