Full text : Das Gymnasium zu Saarbrücken

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Im Jahre 1606 wurde, wie: wir aus dem Stiftungsbriefe
erfahren, eine Schulordnung erlassen, die unter Herolds Rektorat
 1611 und im Jahre 1616 mit der eigenhändigen Unterschrift
 des Grafen erneuert und verbessert wurde.

2. Rektor Tobias Herold (1609—1611).

Ursinus’ Nachfolger im Rektorat war Dr. Tobias Herold
aus Halberstadt. Bei seiner Ankunft im Herbst des Jahres
1609 wurde er und die anderen Lehrer (Kroesel, Sachs, Mosch)
mit Ausnahme des Konrektors Stumpf auf die vorgeschriebene
Bestallung in Handpflicht genommen. Über den Unterrichtsbetrieb
 unter ihm und seinem Nachfolger sind wir ziemlich
gut unterrichtet, da uns das diarium scholasticum (Schultagebuch)
 erhalten ist, in welchem Dr. Bartholomaeus Werner, der
eine der beiden Schulinspektoren, von 1609 bis 1617 seine
Erfahrungen und Erlebnisse im Schulleben in einem Gemisch
von Latein und Deutsch niedergeschrieben hat.
Die Schüler des Gymnasiums zerfielen in 5 Klassen, die
von ebenso viel Lehrern (mit Einschluß des Rektors) unterrichtet
 wurden. Wenn wir 1609 7 Klassen erwähnt finden, so
ist dies damit zu erklären, daß die deutsche Schule in zwei
Abteilungen zerfiel und in dieser mit dem Latein begonnen
wurde. In den einzelnen Gymnasial-Klassen wurden ebenfalls
zwei Jahrgänge, superiores und inferiores, unterschieden.
Über die Zahl der Schüler fehlt es an genauen Angaben;
nur gelegentlich hören wir, daß 1613 in der ersten und zweiten
Klasse zusammen 14, 1614 in der dritten Klasse 15 Schüler,
in der vierten 20, in der fünften 19, 1615 in Sexta 12, in der
Septima 16 Schüler waren. Mehr als 100 wird die Gesamtzahl
wohl niemals betragen haben. Die geringe Zahl der Schüler
erleichterte eine Vereinigung verschiedener Klassen in einzelnen
 Unterrichtsfächern, wie diese ja die geringe Zahl der
Lehrer, zumal bei den häufigen Vakanzen, nötig machte. Die
superiores primani erhielten manche Erleichterung zum Privatstuchum.


Ein besonderes Ereignis waren die Schulprüfungen, die
zweimal Jährlich, im Frühling und Herbst, öffentlich, zuweilen
in der Kirche, stattfanden. An diese schloß sich die Promotion
 oder Versetzung an, die jedoch in der Regel erst nach
zweijährigem Besuche der Klasse erfolgte. Wir erfahren, daß

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