Full text : Das Gymnasium zu Saarbrücken

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Im Frühjahr 1604 wurde ein solennes Examen gehalten und
darauf Prämien verteilt, welche in Büchern bestanden. Diese
wurden mit passenden lateinischen Versen überreicht, welche
ein Schüler, Leonhard Clemens aus Saarbrücken, aufsagte.
Der Schüler der dritten Klasse, Bernhard von Hagen, erhielt
Habermanns Gebetbüchlein, Kaspar Schwab aus Kirn, Schüler
derselben Klasse, erhielt einen Psalter, Mathias Kilburger aus
Finstingen, Schüler der zweiten Klasse, bekam Ciceros Offizien;
dasselbe Buch überreichte der Austeiler sich selbst und seinem
Bruder Mathias Clemens, und endlich erhielt auch der Schüler der
ersten Klasse, Georg Keller, Sohn des Pfarrers von Saarbrücken,
 eine Prämie. Das erste dieser Gedichte mag als
Beispiel der dichterischen Versuche jener Zeit hier mitgeteilt
werden:

In studio cum sis pietate, aetate tenellus,
Hoc tenerum tenerae lac pietatis habe.
Pondere non gravis est liber, ast gravis est pietate:
Ad superos monstrat duxque fidelis iter.
Atque licet sterilem tibi fronte ostentet avenam,")
Lac, mel, purum aurum re tamen ille dabit.
Von den Schülern rühmte Superintendent Beilstein, sie
hätten in kurzer Zeit mehr gelernt, als etwa früher in zwei
Jahren unter Fremden. In diesem Jahre wurden auch die
Schulgesetze in lateinischer Sprache gedruckt; die Kosten betrugen
 5'/2 Gulden.
Aber diese verbesserte Lateinschule genügte den Anforderungen
 der Zeit nicht mehr. Humanismus und Reformation
hatten die Ziele der gelehrten Bildung höher gesteckt. Als
ein notwendiger Bestandteil derselben galt jetzt die griechische
Sprache, die sich die Schulen eroberte. Außerdem hatte es
sich gezeigt, daß die Dialektik oder philosophische Propädeutik
und die Rhetorik in der dritten Klasse der Lateinschule keinen
Raum mehr fanden. Auch die Religion und die Mathematik
erhoben Anspruch darauf, in dem Unterricht der höheren
Schulen berücksichtigt zu werden. Schulen, die sich dieses
Lehrziel steckten, nannte man Partikularschulen oder Gymbekannte

 Schauspiel: Julius et M. Tullius Cicero redivivi, wie sie wieder
auf die Erd kommen und weß sie sich verwundern, Spielweis verfaßt
Speier 1585. Es ist möglich, daß diese beiden Stücke hier gemeint sind.
5 Eine Anspielung auf den Namen des Verfassers (Habermann), der
vermutlich auf dem Titelblatt durch einen Haferhalm bezeichnet war.
            
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