Full text : Das Gymnasium zu Saarbrücken

LD

Dies soll also die ganze Woche gehalten, werden und
man soll den Kindern nicht jeden Tag ein neues Buch fürgeben.
 Einen Tag aber, als Sonnabend oder Mittwoch, soll
man anlegen, daran die Kinder christliche Unterweisung lernen.

Vom dritten Haufen.

Wo nun die Kinder in der grammatica wohl geübet sind,
mag man die Geschicktesten auswählen und den dritten Haufen
machen. Die Stunde nach Mittage sollen sie mit den andern
in der Musica geübt werden. Darnach soll man ihnen exponieren
Virgilium. Wenn der Virgilius aus ist, mag man ihnen Ovidii
Metamorphoses lehren; abends officia Ciceronis oder epistolas
Ciceronis familiares. Morgens soll Virgilius repetiert werden,
und man soll zur Uebung der grammatica constructiones
fordern, deklinieren und anzeigen die sonderlichen figuras
sermonis,
Die Stunde vor Mittage soll man bei der grammatica
bleiben, damit sie darin sehr geübet werden. Und wenn sie
Etymologiam und Syntaxin wohl können, soll man ihnen Metricam
 vorlegen, dadurch sie gewöhnet werden Verse zu machen.
Denn dieselbe Übung ist sehr geschickt andrer Schrift zu
verstehen, machet auch die Knaben reich an Worten und zu
vielen Sachen geschickt. Danach, so sie in der grammatica
genügsam geübet, soll man dieselbe Stunde zu der Dialectica
und Rhetorica gebrauchen. Von dem anderen und dritten Haufen
soll alle Wochen einmal Schrift, als Epistolas oder Verse, gefordert
 werden. Es sollen auch die Knaben dazu gehalten
werden, dass sie Lateinisch reden, und die Schulmeister sollen
selbst, soviel möglich, nichts denn Lateinisch mit den Knaben
reden; dadurch sie auch zu solcher Übung gewöhnet und gereizet
 werden. «
Dieser Schulplan zeigt, wie man damals den Unterricht
im Latein handhabte und was man erstrebte,
Hinter diesem Lehrziel blieb die Schule in Saarbrücken
schon aus dem Grunde zurück, weil hier nur zwei Lehrkräfte
und auch diese nicht immer zur Verfügung standen. Im Jahre
1604 stellte der Superintendent Gebhard Beilstein der Lateinschule
 ein übles Zeugnis aus, indem er die Bürgerschaft erinnerte,
 »wie es vor dieser Zeit mit der Schulen zu Sarbrucken
            
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