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die Kinder in der Musica geübt werden, alle klein und groß.
Darnach soll der Schulmeister dem anderen Haufen auslegen
die fabulas Aesopi erstlich. Nach der Vesper soll man ihnen
exponieren Paedologiam Mosellani) und wenn diese gelernt,
soll man aus den colloquiis Erasmi wählen, die den Kindern
nützlich und züchtig sind.”) Dieses mag man auf den andern
Abend repetieren. Abends wenn die Kinder nach Hause gehen,
soll man ihnen eine Sentenz aus einem Poeten oder anderen
fürschreiben, die sie morgens wieder aufsagen, als: Amicus
certus in re incerta cernitur, ein gewisser Freund wird im Unglück
erkannt usw.
Morgens sollen die Kinder den Aesopum wieder exponieren.
Dabei soll der Präceptor etliche Nomina und Verba deklinieren,
nach Gelegenheit der Kinder viel oder wenig, leichte oder
schwere, und fragen auch die Kinder Regel und Ursach solcher
Deklination. Wenn auch die Kinder haben regulas constructionum
gelernt, soll man auf diese Stunde fordern, daß sie,
wie man’s nennt, construleren, welches sehr fruchtbar ist und
doch von wenigen geübt wird. Wenn nun die Kinder den
Aesopum auf diese Weise gelernt, soll man ihnen Terentium
fürgeben, welchen sie auch auswendig lernen sollen; denn sie
nun gewachsen und mehr Arbeit zu tragen vermögen. Doch
soll der Schulmeister Fleiß haben, daß die Kinder nicht überladen
werden. Nach dem Terentio soll der Schulmeister den
Kindern etliche fabulas Plauti, die rein sind, fürgeben, als
nämlich aululariam, trinummum, pseudulum u. dergl.
Die Stunde vor Mittage soll allewege für und für also
angelegt werden, daß man daran nichts anderes denn grammaticam
lehre: erstlich Etymologiam, darnach Syntaxin, folgend
Prosodiam. Und stetigs, wenn dies vollendet, soll man’s wieder
von vorn anfahen und die grammatica den Kindern wohl einbilden.
Denn wo solches nicht geschiehet, ist alles Lernen
verloren und vergeblich. Es sollen auch die Kinder solche
regulas grammaticae auswendig aufsagen, daß sie gedrungen
und getrieben werden, die grammatica wohl zu lernen.
1) Eine lateinische Chrestomathie von Petrus Mosellanus, der zur
Zeit Melanchthons in Leipzig lehrte. Das Exponieren bestand in dem wörtlichen
Vor- und Nachübersetzen, wobei jedes Wort grammatisch analysiert
und, wenn es nötig schien, durchdekliniert oder konjugiert wurde.
2) Die Colloquia des Erasmus enthalten viele satirische Ausfälle auf
das Mönchswesen und die Kirche, auch viele frivole Stellen. Eine Auswahl
war deshalb sehr geboten.