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sich dann in der schönen neuen Aula, wo nach einem Vortrage
des Sängerchors Provinzialschulrat Dr. Münch eine gedankenreiche
Rede über die Wandlungen und Aufgaben des
höheren Unterrichts hielt. Der Redner schloß mit dem Wunsche,
daß das neue Haus zu denen gehören möge, wo man wirklich
an einer großen nationalen Aufgabe mitarbeite, daß die in
ihm Wirkenden sich fest zusammenschließen und daß all sein
Inneres durchwärmt sein möge von der Liebe. Darauf überreichte
der Provinzialschulrat im Auftrage Seiner Majestät dem
Direktor Breuker, dem Baurat Koch und dem ersten Oberlehrer
Professor Scheer den Roten Adlerorden 4. Klasse; der
langjährige treue Schuldiener Corell erhielt das Allgemeine
Ehrenzeichen.
Nun ergriff der Direktor Breuker das Wort, um, nach
einem Rückblick auf die Geschichte des Gymnasiums die
Frage zu beantworten: »Was sind wir willens, aus dem alten
in das neue Gebäude mit herüber zu nehmen?« »Ich denke,«
sagte der Redner, »in erster Linie den Sinn für treue Arbeit
— und ich muß es betonen gegenüber einer Zeitrichtung, die
in der immer stärkeren Herabminderung der Pflicht- und
Arbeitsstunden das Heil erblickt, als Vertreter des Gymnasiums
gerade in dieser Stadt, die nicht ist eine Stadt der Phäaken,
sondern eine Stadt der werbenden Arbeit, werktätigen Schaffens
und Wirkens, daß das köstlichste, was unsere Jugend lernen
kann, verständiges Arbeiten ist.« -
»Wir wollen ferner, solange es noch auf den letzten
Schanzen möglich ist, festhalten an der eigenartigen Arbeit
des Gymnasiums, der Schulung des Geistes unserer Jugend
an den beiden alten Sprachen. Denn nicht etwa um ein
bloßes Ansammeln und Aufspeichern von Kenntnissen, so
wertvoll dieselben an und für sich sein mögen, handelt es sich
bei der Arbeit des deutschen Gymnasiums, Kein bestimmtes
Fach ist es, für das wir vorbereiten, und ich weise es weit
von mir, wollte man das deutsche Gymnasium als Vorbereitungsanstalt
für Philologen etwa ansehen. Das Gymnasium soll
eine Ringschule sein, die den Geist gelenkig machen und
stählen soll für den Kampfplatz des Lebens.« —
»Noch heute gilt das Wort Jean Pauls, daß die Menschheit
unergründlich tief versänke, wenn nicht die Jugend durch
den stillen Tempel der großen alten Zeiten ihren Durchgang
zum Jahrmarkt des späteren Lebens nähme.: Da umrauscht