VII. Gymnasium oder Realschule?
In dieser Zeit wurde das Gymnasium in dem Fortbestande
seiner Eigenart bedroht. Die Zahl der Schüler verminderte
sich in den nächsten Jahren in auffallender Weise, vermutlich
infolge der höheren Anforderungen, welche seit der Einführung
der preußischen Schulordnung gestellt wurden, und des
schwierigen Abiturientenexamens. Während die Schülerzahl
im Jahre 1824 auf 122 sich belaufen hatte, war sie im Jahre
1827 auf 79 gefallen, obwohl die beiden Städte 7000 Einwohner,
darunter viele Beamte und wohlhabende Bürger zählten
und auch die Umgegend stark bevölkert war. In Prima saßen
im Jahre 1827 nur 4, in Secunda ebenfalls nur 4, in Tertia
nur 3, in Quarta 13, in Quinta 17 und in Sexta 34 Schüler.
Da von den Secundanern und Tertianern nur etwa die Hälfte
zu studieren beabsichtigte, so mußte bei der drohenden Verödung
der oberen Klassen die Frage nahe liegen, ob der
Fortbestand des Gymnasiums wirklich als ein Bedürfnis für die
Bevölkerung anzusehen sei und ob die aufgewandten Kosten
nicht zu hoch im Verhältnis zu dem Ergebnis des Unterrichts
seien. Diese Frage lag um so näher, als die Stadt Saarbrücken
ihren Beitrag zu den Kosten des Gymnasiums auf 800 Taler
zu ermäßigen wünschte, Unter diesen Umständen erwog das
Provinzialschulkollegium .die Umwandlung des Gymnasiums in
eine höhere Stadtschule, welche den Bedürfnissen des praktischen
Lebens mehr Rechnung tragen könnte. Aber der
drohende Verlust des Gymnasiums bewog den Stadtrat von
Saarbrücken und St. Johann, den Zuschuß von 1150 Talern
auch fernerhin in der Art zu bewilligen, daß 800 Taler aus
der Stadtkasse bezahlt und die übrigen 350 Taler durch freiwillige
Beiträge aus der Bürgerschaft aufgebracht wurden,
indem 21 Mitglieder des Stadtrats sich für die Weiterzahlung
dieses Zuschusses in den nächsten 10 Jahren verbürgten. Zugleich
sprach der Stadtrat den Wunsch aus, die Regierung
möge, um den Flor des Gymnasiums wieder herzustellen, eine
zweckmäßige Reorganisation der Anstalt anbahnen. Die geringe
Schülerzahl schien ihre Erklärung zu finden in der Besorgnis
vor der Aufhebung des Gymnasiums, in der nicht genügenden
Berücksichtigung der realen Fächer, in dem Mangel des
katholischen Religionsunterrichtes und in der unzureichenden