Full text : Das Gymnasium zu Saarbrücken

kamen 16 Schillinge als Beitrag der Hofgesindebruderschaft
zu St. Georg, der die gräflichen Beamten angehörten. Das war
freilich ein dürftiges Einkommen, aber auch anderwärts finden
wir in jener Zeit die Dienste eines Schulmeisters nicht höher
bewertet. In Weilburg erhielt der »Zuchtmeister« von dem
Scholaster im Anfange des 16. Jahrhunderts jährlich 4 Gulden;’)
in Wesel bezog der Magister Albert von der Heggen jährlich
10 Rheinische Gulden als Fixum.”) Außerdem mußte von jedem
Kinde ein Schulgeld bezahlt werden, das freilich wohl sehr
gering war.’) Dazu kamen noch »Accidenzien», wahrscheinlich
 in einem Eintrittsgeld und kleinen Geschenken bestehend.
Von bürgerlichen Lasten war der Schulmeister frei. Bei der
außergewöhnlichen Umlage der Türkensteuer im Jahre 1542 bezahlte
 er 5 Batzen, war also zu einem reinen Einkommen von
+ Gulden eingeschätzt,
Bei solchem Hungerlohn war es natürlich oft schwer, eine
Lehrkraft zu finden.“ Im Jahre 15321 wurde bekannt gemacht,
daß der Unterricht im Deutschen und Lateinischen zu Saarbrücken
 verdingt werden sollte.*) Ja, bald verfiel die Schule
völlig, wie dies auch anderwärts vor der Einführung der Reformation
 der Fall war. Der Superintendent Georg Keller, welcher
1555 geboren war, berichtet aus seiner Jugend folgendes:
»Die Herrschaft (Graf Johann IV.) hing dazumal noch an
dem Papsttum. Und obwohl die Herren Räte der evangelischen
 Religion gewogen waren, auch die Stiftsherren die
Meß da fallen ließen, so ging es doch schwerlich und furchtsam
 zu, und wußte der wenigste Teil, wie er in Religion
dran wäre. Die Stadt- Pfarrherrn saßen draußen in dem
Stift, und konnten die Bürger samt den Ihrigen keine notwendige
 Seelsorge haben. Der Schulen war man in beiden
Städten beraubt, welche nur mit weniger Anzahl Knaben im
Stift St, Arnual gehalten worden.« Da der Graf Johann IV.,
ein alter Kriegsmann, religiös gleichgiltig war, so konnten seine
evangelisch gesinnten Räte, »unter welchen Herr Samson Herzog
der fürnehmste vewesen.« es wagen, protestantische Prediger

‘) Eichhoff, Geschichte des Nassauischen Landesgymnasiums in Weil-Durg.
 S 2,
? Kleine, Geschichte des Weseler Gymnasiums. 5S., 8.
3) In Wesel betrug es 6 Buddreger oder Stüber jährlich.
5 Saarbrücker Intelligenzblatt von 1830, Nr. 12, wo irrtümlich die
Zahl 1321 lautet.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.