Full text: Geschichte der Abtei Wadgassen

Die Zeit von 1780 —1815. (Der Kampf gegen die Fremdherrschaft.) 601 
Unterdessen wurde die Festung Saarlouis doch nicht unberücksichtigt ge— 
lassen, und die Deutschen schickten sich an, dieselbe regelrecht zu belagern. 
Ein großes Lager der alliierten Truppen muß sich damals in Wadgassen 
defunden haben, wie wir aus einem Brief entnehmen, den die Saarzeitung 
im Januar 1884 veröffentlichte. Der Brief beweist zugleich, daß die 
Preußen damals wenig Spaß verstanden, doch rechtfertigt sich der strenge 
Ton desselben dadurch, daß die preußischen Officiere in den Einwohnern 
Saarbrückens warme Franzosenfreunde vermuteten und darin durch die 
hersuchte Verteidigung der Städte bestärkt wurden. Der Brief lautet: 
„Saarbrücken, den 21. Janunar 1814. 
An den Herrn Maire zu Arnual! 
Ihre Gemeinde hat Morgen früh um 6 Uhr prätis 25 Arbeiter 
zur Schiffbrücke hierher zu schicken. Sie siud verantwortlich für den 
Vollzug des Gegenwärtigen. Die namentliche Liste ist bey dem hiesigen 
Magistrat abzugeben. 
Der Platzkommandant der Stadt Saarbrücken 
gez. v. Flotho, 
Königl. Preuß. Capitain und Ritter des eisernen Kreuzes.“ 
Dieser Brief war von einem Schreiben begleitet, welches den Em— 
pfänger wohl sicher veranlaßt haben wird, dem ihm gewordenen Befehl 
hünktlichst nachzukommen. Der Wortlaut desselben ist folgender: 
„Aus Auftrag des Herrn Commandant von der Blocade von 
Wadgassen muß ich Ihnen beyliegendes übersenden, bey dieser gelegen— 
heit rate ich Ihnen sehr Freundschaftlich, die lieferung aufs schleinigste 
und vollständig zu bewerkstelligen. Kenten Sie die traurigen Erfahrung 
wie Herr Kirchberg zu Wadgassen *) machen, der an den Folgen von 
30 Brügeln unter den Händen des Herrn Kalck liegt. Sie werden 
iberhaupt wohl thun, wenn Sie sich zum Voraus das rezept der 
Schmiere des Herrn Kalck geben lassen, oder wenn Sie nach Wadgassen 
heordert werden, so bringen Sie lieber Herrn Kalck gleich mit. 
Mit Achtung und Frenndschaft 
Ihr ergebenster Diener 
gez. F. Schäffer“ 
Aus der Kriegsgeschichte von Saarlonis entnehmen wir, daß die Be— 
lagerung der Stadt bis in den April hinein dauerte. Außer zwei Haupt— 
angriffen am 19. Januar und 24. Februar, die aber beide erfolglos ver— 
liefen, fanden nur einige Ausfälle der Garnison statt, die mit kleinen 
Scharmützeln endete. Die ganze Umgegend war unterdessen stets mit Trup— 
ven besetzt. 
In der Nacht vom 11. auf den 12. April erschien in Saarlouis der 
Metzer Courier, welcher die Nachricht verbreitete, daß der Friede geschlos— 
sen sei. Am 31. März 1814 waren die Verbündeten in Paris eingezo— 
gen. Doch erst am 30. Mai kam der endgültige Frieden in Paris zu— 
stande, welcher Frankreichs alte Grenzen von 1789 garantierte, — denn 
*) Im Standesregister der Gemeinde Wadgassen wird am 11. November 1818 
Wilhelm Heinrich Kirchberg Bergofficiaut genannt.
	        
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