Die Zeit von 1789 - 1815. (Der republikanische Kalender.) 593
Ende des Jahres 1793, als die christliche Religion aufgehoben und
an Stelle Gottes die IC Ispãser aber doch wieder das höchste
Wesen — herrschen sollte, da wurde auch in Saarlouis (und jedenfalls
—W Dienste
Goltes geweihten heiligen Gefäße und Gerätschaften aus der Kirche geschleppt
höfen wurden aller religiösen Insignien beranbt und nur noch VBlumen als
Snshise der Tebe und Anshãänglichkeit an die Verstorbenen gestattet.
In der Kirche, die nun der Tempel der Vernunft. wurde, thronte
dieselbe in der Person einer n ngen Draude hohem Altare, und
mit der roten Jacobiuermütze bedeckt, ein zerttümmertes Kreuz zu ihren
Füßen, nahm sie — — ken Diener an.
Schon um die Misse des Jahre IF wurden durch Decret des
National-Convents in ganz Frankreich die Glocken aus den Kirchen ent—
sommen Tnd zum Vorteil der Republik verkauft oder zu Sols ausge—
münzt. Von den acht Glocken der Basilika in Wadgassen wurde eine
inzige gerettet, lange Zest verhocgen sesacten Jam̃ der sPpaãteren Pfarr⸗
kirche uͤberwiesen. Auch die Glocken des Saarbrücker Landes wurden für
die Nation requiriert. Vom 8. bis zum 13. September 1793 wurden
don den fünf Kirchen der beiden Städte die sämtlichen Glocken herunter—
genommen.
Durch Dekret vom 5. October 1793 führte der Nationalconvent den
republikanischen Kalender ein. Derselbe nahm als Grenze oder Epoche
der neuen Jahresrechnung die Herbstnachtgleiche des Jahres 1792, ge—
nauer die Mitternacht, mit welcher dieser Tag anfing. Das Jahr be—
stand aus 12 Monäten, jeder zu 30 Tagen; zur Ergänzung desselben
hing man am Ende 5 und in den Schaltjahren 6 Tage an. Statt der
Wochen wurde jeder Monat in drei Teile oder Dekaden zu 10 Tagen
eingeteilt. Die Namen der Monate wurden so gewählt, daß sie durch
ihre Ableitung die Jahreszeit bezeichneten. Sie waren für den Herbst
22. September bis 22. Dezember: Vendemiairo (Weinlesemonat), Brumaire
(Nebelmonat) und PFrimaire (Reifmonat); für den Winter vom 22.
Dezember bis 20. März: Nirôse (Schneemonat, Pluviöse (Regenmonat)
und Ventôse (Windmonat); für den Frühling, vom 21. März bis 18.
Juni: Germinal (Keimmouat, Floreal (Blütenmonat) und Prairial (Wie—
senmonat); für den Sommer vom 19. Juni bis 17. September; Messidor
(Erntemonat), Thermidor (Hitzemonat) und, Fructidor (Fruchtmonat).
Hieran schlofsen sich die Erguͤnzungstage. — Die Heiligen mußten aus dem
Halender verschwinden, und an ihre Stelle traten die Namen von wirklichen
Gegenständen. „Deswegen (jsagte der Schauspieler Fabre d'Eglantine am
6. October 1798 im Convent) setzen wir bei jedem Tage die Körner, Ge—
sträuche, Bäume, Wurzeln, Blumen und Früchte an, welche die Natur gerade
bietet, und bei jedem Quintide (fünften Tag der Dekade) das Haustier, wel—
hes eine Beziehung dazu hat, und an jedem Dekadi (zehnten Tag) das Werk—⸗
zeug, welches der Landmann in den nächsten Tagen braucht. Wir wollen
damit zugleich beweisen, daß die Zeit gekommen ist, wo ein Bauer höher
steht ais alle Könige zusammen“. Der Dekadi war der Ruhetag, der
Sonntag ganz aufgehoben, desgleichen auch alle Festtage des Jahres —
bis durch Befehl NRapoleons und durch ein Staatsdekret vom 9. Sep—
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