Full text : Geschichte der Abtei Wadgassen

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II. Wadgassen unter Frankreich.

Doch kam es nicht zu einer ecnsten Belagerung. — Als die erste
Gefahr vorüber war, wurde mit aller Energie die Festung in den
gehörigen Verteidigungszustand gesetzt.
Zur Unterstützung der Armee wurden Eunde November freiwil—
lige Gaben erhoben, au denen ganz Frankreich mit großem Eifer
teilnahm. Im Kanton Sarrelibre wurden 4099 Fres. 18 C. an
Geld, 5520 Hemden, 2016 Ellen Tuch, eine Menge Kleidungsstücke
Waffen, Munition, Getreide usw. eingebracht. Zur Ausrüstung der
Armee mit Waffen, Munition und Kleidung verwandelte sich ganz
Fraukreich in eine unermeßliche Werkstatt. In allen Städten ar—
beitete man an Schuhwerk und Kleidungsstücken; in allen Distrik—
ten wurde der Landbewohner aufgefordert, die Stellen zu ermitteln,
wo man Salpeter erzielen könnte.
Im TDezember 1793 beantragen verschiedene Unternehmer, im
Kloster zu Fraulautern eine Salpetriere errichten zu dürfen, deren
Erzeugnisse sie den Magazinen der Republik zur Verfügung stellen
wotlen. Im Jannar 1794 wollten die Gebrüder Gonvy aus Saar—
louis in Wadgassen eine Waffenschmiede errichten, aus welcher
meistens Bayonette geliefert werden sollten. Das Wasser zur Be—
treibung der Mühle und Maschinen war nicht hinreichend, und sie
verlangten für Wadgassen die frühere Spinnerei zwischen Saarbrücken
und Forbach, die ihnen auch zuerkannt wurde. In Dillingen und Bet—
tingen wurden Kugeln gegossen und in großen Quantitäten verschickt.
Während so (sagt Baltzer) die äußere Gefahr das Augenmerk
der Mehrzahl auf sich gelenkt, suchten die in den TDistrikten einge—
führten Comités de Surveillance mit allen ihnen zu Gebote stehen—
den Mitteln diejenigen Bewegungen zu entdecken, die im Innern
der Republik entgegenwirken sollten. Die Ruhe war weit entfernt,
hergestellt zu sein. Royalisten und Republikaner, Jakobiner und
Girondisten, sie bildeten gar häufig, abgesehen von der Verschieden—
heit der politischen Meinung, auch dem Wohle der bestehenden Ord—
nung sehr gefährliche Verbrüderungen. Das beständige Treiben der
Contrerevolutionaire und Emigrierten, die Gleichgültigkeit der lauen
Republik mer sollte nicht unbeachtet bleiben. — Diesen Comites war
es überlassen, das Wirken der Parteien zu beobachten und für die
Sicherheit der Republik zu wachen. Wenn auch dem Zwecke nach
diese Comites nicht allein nützlich, sondern sogar notwendig erschienen,
so mußte doch bald, als die Leidenschaften der Personen reger gewor—
den, der Zweck verfehlt werden, und dann bot diese Einrichtung,
wie es leider hier in Saarlouis auch vorgekommen, sehr gefüährliche
Mittel in den Händen parteiischer Männer.
In Saarlouis wurde ein Konwlott entdeckt, das eine verbreche—
rische Korrespondenz mit dem Feinde und den Emigrierten unterhielt.
Mehrere Personen wurden dieserhalb am 23. Febriiar 1793 von dem
Zuchtpolizeigerichte in Saarlouis zu harten Strafen verurteilt. Bei
mehreren anderen Personen wurden Haussuchungen vorgenommen.“
Bei dem Bürgerfeste, das den 10. Nivose FVan II. (Januar 1794)
zu Ehren der Einnahme von Toulon veranstaltet wurde, tanzte man
in Saarlouis um den Freiheitsbaum.
            
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