Die Zeit von 17893 - 1815. (Kriegsereignisse des Jahres 1793.) 591
die verfallene Pfarrkirche der alte Friedhof; für den eigentlichen
Gottesdienst war im Krankenhause des früheren Klosters ein Bet—
saal hergerichtet worden. Im Jahre 1806 wurde auf den Funda—
menten der früheren Pfarrkirche eine neue erbaut, welche bis 1881
stand. Da ein Pfarrhaus nicht vorhanden war, so hielt sich' der
Geistliche abwechselnd in Schaffhausen, Hostenbach und Wadgassen
auf, von 1820 bis 1837 jedoch andauernd in Schaffhausen und seit—
dem wieder in Wadgassen.
Durch eine Proklamation an das Saarbrücker Volk, worin man
das Vorgehen gegen den Fürsten Ludwig zur Beschönigung des be—
gangenen Raubes zu begründen suchte, wurde befohlen, Güter des
Fürften in Beschlag zu nehmen und die Einkünfte desselben zum Vor—
deile der Nation einzuziehen. -Von jetzt an brach eine lange Reihe
bon Unfällen über das Fürstentum, das sich zum Kriegsschauplatz
umgewandelt hatte, auf welchem Brand, Verwüstung, Schrecken und
Entsetzen sich von Tag zu Tag erneuerten.
Auf den Fürsten Ludwig, welcher am 2. März 1794 in Aschaffen—
burg starb, folgte dem Namen nach sein Sohn Heinrich als Fürst
bvon Saarbrücken. Nach dem erfolglosen Feldzuge im Elsaß vom
Jahre 1793, welchem der Prinz Heinrich beiwohnte, rückten die deut—
schen Truppen, Osterreicher, Preußen, Sachsen ꝛc. gegen den Herbst
desselben Jahres dem Saarbrücker Lande näher, trieben die Franzosen
bis zum Saarstrome zurück und besetzten das Anit Ottweiler, das
Köllerthal, sowie einige an der Saar gelegenen Ortschaften. Am 29.
September zeigten sich die ersten Vorposten auf den Höhen gegenüber
Saarbrücken. Das Haänptquartier der Generalité war in Dudweiler,
wobei sich auch Rittmeister Blücher befand. Man erwartete jetzt
täglich einen Angriff der Deutschen auf die Franzosen, allein es
geschah nichts. Die Franzosen selbst wunderten sich über die Un—
thätigkeit der Deutschen, welche ruhig zusahen, wie die Franzosen am
7. October die Gebäude des Ludwigsbergs einäscherten, am Abend
desselben Tages das fürstliche Residenzschloß zu Saarbrücken in Brand
setzten und am 12. October eine Brandschatzung von einer Million
Livres forderten, welche die Städte St. Johann und Saarbrücken
innerhalb 24 Stunden erlegen mußten.
So behaupteten die deutschen Truppen während sechs Wochen ihre
Stellung, verließen sodann, ohne die Saar überschritten zu haben, am
17. Nobember 1793 die Gegend und bezogen bei Kaiserslautern ein
berschanztes Lager. Eine nachrückende Kolonne der französischen
Moselarinee griff die unter dem Kommando des Herzogs von Braun—
schweig stehenden Preußen in dieser Stellung an, 28. und 29. No—
bember, erlitt aber eine furchtbare Niederlage.
Auch in Saarlouis hatte das Heranrücken der Deutschen einige
Beunruhigung erzeugt. Im Monat Juni 1793 machte der Graf
Kalkreuth init einer achtbaren Armee eine Diversion gegen Saar—
louis und rückte bis in die Nähe der Festung vor. Diese war
nur wenig auf einen Angriff bereit und sah sich durch diese Be—
wegung ernstlich bedroht. Die Schleußen wurden gezogen und die
Unigebüng unter Wasser gesetzt, alles so gut wie möglich armiert.