Full text : Geschichte der Abtei Wadgassen

Die Zeit von 1789 -51815. (Verwüstungen in Saarbrücken u. Wadgassen 1793.) 585

Schloß von oben bis unten völlig ruiniert, indem man selbst das
Blei von den Dächern abriß.
Darauf wurden in Saarbrücken 40 höhere fürstliche Beamten
und selbst die Erbprinzessin verhaftet und noch Metz abgeführt. Mit
unbeschreiblicher Beutegier fielen die räuberischen Kommussairs über
die herrschaftlichen Schlösser und Gebäude her; das fürsftliche Resi—
denzschloß in Saarbrücken, die Sattel- und Gewehrkammern, der
Jägerhof, der Marstall, die Kutschenremisen und die Beschließerei
wurden geplündert und völlig ausgeleert. Ein Gleiches geschoh in
den übrigen fürstlichen Schlössern; die herrlichen Anlagen wurden
kotal verwüstet und jegliche Art von Vorräten an Lundesprodukten
allenthalben aufgespürt und nach Frankreich geschleppt.
Mit welcher Roheit die wilden franzöfischen Horden auch in
Wadgassen gehaust haben, das ergibt sich aus der Verlustanzeige
der Mönche aus dem Jahre 1793, also etwa ein Johr nach der
Aufhebung (vergl. S. 187). Aus derselben geht aufs deutlichste
hervor, was die Religiosen bei ihrer Flucht alles haben preisgeben
müssen. Sämtliches Mobiliar und Hausgerät, alle aufgespeicherten
Früchte, 75 Fuder Wein, sowie der ganze Viehbestand waren den
Distriktsverwoltern in die Hönde gesfollen, welche nichts Ciligeres zu
thun, hatten, als die genannten Effecten sofort zu verkoufen. Nech
der Uberlieferung und den Berichten älterer Leute sollen die Sachen
nach Saarlouis geschafft und dort versteigert worden sein. Wenn
auch anzunehmen ist, daß die Mönche, seidem über das Schicksal
der Abtei definitiv entschieden war (29. Juli 1792), inzwischen man—
ches mögen in Sicherheit gebracht haben, was ihnen als besonders
wertvoll erschien und es nicht ganz unwahrscheinlich ist, daß, wie
erzählt wird, 16 Wagen voll Effecten des Prölaten nach Prag ab—
gingen, so steht doch fest, daß bei der Furcht vor der Distriktsver—
waltung, deren strengsten Aufficht das Kloster in der letzten Zeit
unterstellt war, solche heimliche Fortschaffuugen dem Umfaänge nach
nicht von merklicher Bedeutung sein konnten. Judessen scheinen die
Gold- und Silbersachen, von denen der öffentliche Ankläger im
Prozeß Floß spricht, wirklich gerettet worden zu sein, wohingegen
aber in der letzten Nacht die Aufregung eine derartige gewesen zu
sein scheint, daß die Mönche selbst die wichtigsten Aktenftücke über
die Stiftung und Fundation des Klosters mitzunehmen vergaßen,
obwohl sie damals noch sicher daran dachten, dereinst wiederum
Besitz von ihrem Kloster nehmen zu können. So wurde denn auch
die reiche Klosterbibliothek gleichfalls versteigert und die vielen histo—
risch wertvollen Akten nach allen Himmelsrichtungen zerstreut. Trotz—
dem sind noch sehr viele derselben erhalten geblieben und später in
den verschiedenen Archiven wieder gesammelt worden, wogegen ein
anderer großer Teil aus Mißverstand der Erwerber zugrunde ging.
Viele vorhandene Kunstschätze gingen auf dieselbe Weise verloren.
Das erwähnte Verzeichnis vom 10. October 1793 berichtet uns
nur von einer Ausplünderung aber nicht von einer Zerstörung der
Klostergebäude selbst, sodaß man für gewiß halten kann, daß diesel—
ben damals noch standen. Auch in den Versteigerungen, die später
            
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