Full text : Geschichte der Abtei Wadgassen

Die Zeit von 1789 -1815. (Ubergriffe und Ausdehnung der Republik.) 588

Merzig sehr zu leiden; durch Kälte und Krankheiten ließen die Fran—
zosen bei ihrem Abzuge daselbst (19. Dezember) so viele Toten zurück,
daß sie nicht beerdigt werden konnten, sondern, auf Haufen geworfen,
mit angefahrener Erde bedeckt wurden. UÜUber das Schicksal der
Propstei Merzig haben wir schon berichtet.
Gegen Eude des Jahres kamen die Franzosen wieder nach Saar—
brücken zurück, um daselbst die Winterquartiere zu beziehen. Der
Fürst, der sich tags zuvor nach Neunkirchen begeben hatte, um dem
Hetünimel zu entgehen, verfügte eine gastfreundliche Aufnahme und
ließ die Offiziere im Schloß zu Saarbrücken einlogieren.
In der Grafschaft Saarwerden war es mittlerweile den Jakobi—
nischen Emissären aus Frankreich gelungen, die Unterthanen unter
Versprechungen und Drohungen zu bewegen, sich von ihrem recht—
mäßigen Landesherrn loszusagen und bei der französischen National—
versammlung um ihre Vereinigung mit Frankreich zu bitten. Auf
diese Weise wurde Ende 1792 uünd Anfang 1793 die Grafschaft
Saarwerden vom Nassauischen Haufe losgerissen und mit Frankreich
vereinigt. Alle Herrschaftsgüter, alles sonstige fürstliche Eigentum
svurde eingezogen und dem Fürsten ein jährliches Einkommen von
beiläufig 8500000 Gulden entzogen.
Dieser Vorgang mag den Fürsten wohl bewogen haben, sich
der Saarbrück'schen Unterthanen mit etwas größerer Fürsorge an—
zunehmen. Am 21. Januar 1793 erschien sonach ein zweites Ge—
neral-Dekret für sämtliche Unterthanen seines Landes, wodurch die
Leibeigenschaft aufgehoben, der Wildstand vermindert, die Fron—
gelder auf die Hälfte herabgesetzt, der Kartoffelzehnten im ganzen
Fürstentum abgeschafft ꝛe. Turch Nachtrag vom 15. Febrnar 1793
wurden auch die Jagdfronen () völlig erlassen. So wurde nach
nud nach beinahe alles gewährt, was die Unterthanen nur wünschen
konnten. Doch wurden diese notgedrungenen Gnadenbezeigungen
kaum noch als eine Wohlthat des Fürsten augesehen. Das Volk
widerstand aber nun den Anreizungen der Franzosen und blieb seinem
Fürsten treu. So hätte sich also das Fürstentum noch retten und
halten können, wenn nicht der begonnene Krieg seine völlige Auf—
lösung herbeigeführt hätte.
Die Nachricht von dem am 21. Jannar 1793 an König Lud—
wig XVI. vollzogenen Todesurteile erfüllte die ganze eivilisierte Welt
mit Schrecken, Entsetzen und Abschen und bewog die übrigen euro—
päischen Mächte, sich den Preußen und Osterreichern zu einem Kriege
gegen Frankreich anzuschließen. Die Vorkehrungen zur Eröffnung
eines Feldzuges am Rhein hatten für die deutschen Grenzländer zur
nächsten Folge, daß die Franzosen den Beschluß faßten, sich der
angrenzenden Fürstentümer und der Person ihrer Regenten zu be—
mächtigen. Den ersten Angriff erlitt Karl August, Herzog von
Zweibrücken, welcher bisher eine streuge Neutralität beobachtet, die
französische Republik anerkannt und einen französischen Gesaudten
an seinen Hof aufgenommen hatte. Das in Saarbrücken stehende
Corps brach Mitte Februar auf, um den Herzog zu verhaften,
welcher sich jedoch durch schleunige Flucht den Händen der Franzosen
            
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