Full text : Geschichte der Abtei Wadgassen

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II.

Wadgassen unter Frankreich.

Januar 1791 entstand in Saarlouis wiederholt cine Gärung unter
den Einwohnern, die bei der Natinalgarde bald in Aufruhr und
Insubordination überging. Als Ursache dienten die eingeführten
Steuern und das neue Zollsystem, die man nicht anerkennen wollte.
Im folgenden Monat hatte die Gärung einen bedeutenderen
Grad, erreicht: denn der Kömmandant dieser Garde, Richard (Erxbaron
von Uberherrn) schrieb an den Munizipalrat, daß, wenn man nicht
suchen würde, diese Gärung sobald als möglich zu unterdrücken,
er nicht mehr für die öffentliche Ruhe und Sicherheit bürgen könnte.
Tie Kunde von der Flucht und Gefangennahme des Königs
(21. Juni 1791) brachte überall große Verwirrung hervor; jeder
wollte Verrat wittern. Ter Schrecken, der hier ausbrach, war auch
nicht ohne triftigen Grund: das Mißtrauen mußte rege werden;
man wußte nicht, ob man dem Mititär trauen sollte oder nicht,
da die Offiziere schon meistens übergegangen und an manchen
Orten eine volksfeindliche Stimmung unter den Soldaten ausge—
brochen war.
Inzwischen war, wie schon kurz angedeutet, der Herzog von
Braunschweig mit einem preußischen Heere, verstärkt durch 200010
Mann ausgewanderter Franzosen, die in einem Lager bei St. Martin
zu Trier sich versammelt hatten, siegreich in Lothringen eingerückt,
hatte Longwy erorbert, Verdun eingeschlossen und die Champagne
besetzt. Aber die unentschiedene Schlacht bei St. Menehould oder
die Kanonade von Valmi (20. September 1792) setzte dem Vor—
dringen der Preußen ein Ziel. Mangel, Krankheiten und die üble
Jahreszeit nötigten sie zu einem unglücklichen Rückzuge.
Die Franzosen waren unterdessen in der Pfalz eingefallen,
hatten am 29. September Speier und am 21. October Mainz durch
Verrat genommen und sich selbst der Stadt Frankfurt bemächtigt,
von wo sie jedoch durch die preußischen Heere am 2. Dezember ver—
trieben, sich nach Mainz zurückzogen und diese Festung einstweilen
hehaupteten. Tamals drang eine kleine Abteilung preußischer Hu—
saren bis in unsere Gegend, passierte bei Vötlingen die Saar, über—
fiel ein französisches Piquet in Rosseln und zog sich mit einigen
Gefangenen wieder zurück.
Während dieser ersten Kriegsvorfälle ging es in Paris sehr
stürmisch zu. Tas Schloß der Tuillerien wurde gewaltsam in Besitz
genommen, der Staat zu einer Republik erklärt (22. Sept. 1792)
uiind Ludwig XVI. in das Gefängnis le Templé gebracht.
Am 31. October 1792 rückten die ersten französischen Truppen
in Saarbrücken ein, um eine Expedition gegen Trier vorzunehuien,
das von OÖsterreichern besetzt war. Noch betfrächtete man das Fürsten—
tum Trier nicht als Feindesland, und die Truppen äußerten wäh—
rend ihres dreitägigen Aufenthaltes völlige Zufriedenheit über die
freundschaftliche Aufiahme. Bei Trier aber hatte ihnen der öster—
reichische GGeneral Prinz Hohenlohe arg zugesetzt und sie in mehreren
Gefechten (zwischen dem 3. und 15. Tezember 1792) beir Tawern,
Merzkirchen, Wawern, Pellingen und au der Ruwer so geschlagen,
daß sie sich eiligst zurückzicehen mußten. Bei diesem Rückzuge hatte
            
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