Full text: Geschichte der Abtei Wadgassen

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I. Wadgassen unter Frankreich 
am 9. Mai antwortete, daß dies geschehen, und sobald die Ent— 
scheidung an ihn gelangt sei, wolle er ihm, dem Fürsten, sofort 
Mitteilung machen. Ter Minister des Innern zeigte sich weniger 
entgegenkommend und forderte unter demselben 9. Mai das De— 
partement zur Rechenschaft über seine Maßnahmen in der Sache 
auf, um, wie er sagt, bei der bevorstehenden Entscheidung der 
Nationalversanmmlung sich darnach zu richten. Endlich am 16. Mai, 
beim Lesen einer neuen Liste dieses Ministers, noch lakonischer und 
drohender als die vorhergehenden, faßte das Tepartement den Be— 
schluß, daß die auf die nationalen Güter bezüglichen Gesetze auch 
in Betreff der Abtei Wadgassen ausgeführt werden sollten und 
stellte denselben den Distrikten seines Tepartensents, in welchem ihre 
Güter gelegen waren, zur weiteren Veranlassung zu. Der Distrikt 
von Saarliber machte sich sofort daran, alle die Güter (Möbel und 
Immöbel) der Abtei zu verkaufen. Die Abtei aber leistete dagegen 
thätlichen Widerstand, und durch ein Detachement Schweizer von 
Seumemberg wurden die Commissäre zurückgetrieben, so daß sie 
nicht zu ihrent Zwecke gelaugen konnten. 
Gegen diese Maßnahmen der französischen Regierung hatte sich 
der Fürst von Saarbrücken am 28. Mai wiederum an den Mini— 
ster der freniden Angelegenheiten gewendet und mit Bezug auf sei— 
nen Brief vom 22. April von neuem die Gerechtigkeit des Königs 
angerufen und den Minister gebeten, einen provisorischen Aufschub 
auszuwirken, bis die Frage, um die es sich handelte, wohl geprüft 
und entschieden sei. Ganz in demselben Sinne hatte sich sein Mi— 
nister Crolbois de Sawald in einer Eingabe an das Departement 
gewandt und sich für die Religiosen außer dem Aufschub den Schutz 
der Gesetze und des Völkerrechtes erbeten. Der Distrikt von Saar— 
liber hatte inzwischen zur Versteigerung des Wadgasser Mobiliars 
Termin auf den 9. Juli anberaumt und dazu nach allen Richtun— 
gen hin Bekanntmachungen ergehen lassen. An dem betreffenden 
Tage hatten sich Kaufliebhaber von allen Seiten aus mehr als 20 
Ortschaften zu Wadgassen eingefunden, und der Verkauf sollte vor 
sich gehen, als noch in letzter Stunde ein neues Arreté des Depar— 
tements eintraf, welches denselben unbestimmt vertagte. Einer der 
Administratoren, ein gewisser Collombé, Vetter des Abts, soll dieses 
Arréêté selbst überbracht haben, wanderte aber später aus, um den 
Verfolgimgen zu entgehen. Am 29. Juli kam die ganze Angelegeu— 
heit vor der Nationalversammlung, zur Verhandlung, worüber oben 
S. 183 sich ein Bericht findet. Über die Aufhebung des Klosters 
berichtet die Fortsetzung (siehe oben S. 185 bis 188). 
Wie aus dem Verlüstverzeichnis zu ersehen ist, war es der Abtei 
nicht mehr vergönnt, wieder in den unbeschränkten früheren Besitz⸗ 
stand zu gelangen. —. 
„Zehnten, Schaftfrüchten samt Feudal-Rechten haben ihr die 
französischen Unterthanen — seit 1799 — nicht mehr entrichtet.“ 
Dagegen ist anzunehinen, daß die deutschen Unterthanen von Bous 
und Ensheim, sowie Merzig und die verschiedenen Patronatsdörfer 
in Deutschland noch ihren bisherigen Verpflichtungen nachgekommen
	        
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