Fürst Wilhelm Heinrich. 1742 - 1768.
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Am 22. October zogen sich die Franzosen auf Trier zurück, indem
sie die Dörfer, wo sie durchkamen und in weiter Umgegend, rein ausplün—
derten; Pfalzel, Ehrang, Schweich, Trierweiler, Ruwer, Assel, Fähr, Contz,
Emmel, Wiltingen, Crettnach, Pellingen, Sehr, Peschel, Lampaden, Bal—
dringen, Hentern werden besonders genannt und erzählen die Pfarrbücher
Schreckliches über den Hergang. Wälder und Wege wurden verwüsstet,
um sie ungangbar zu machen. Aber die Kaiserlichen folgten dennoch und
erschienen am 29. bei Ehrang und auf dem Markusberge, von wo aus
sie Trier beschossen, während die Franzosen vom Ruwerer Berge das Feuer
erwiderten (Briesen.)
In diesem Kriege, der damals in den Rheingegenden wegen der viel
umstrittenen Festung Philippoburg „der Philippsburger Krieg“ hieß, wur—
den auch die Länder des Fürstentums Saarbrücken im Jahr 1734 von
den Franzosen in Beschlag und vorläufigen Besitz genommen, wodurch
Stadt und Land durch Einquartierungen, Durchmärsche, Lieferungen, Brand—
schatzungen und Contributionen aufs äußerste bedrückt und mitgenommen
wurden. Im RNovember 1734 wurde eine Brandschatzung von 73360 Livres
eingehoben; im Jahr 1735 war eine abermalige Brandschatzung von 30900
Gulden angefordert worden, die aber die Fürstin und ihr Sohn Wilhelm
Heinrich, der sich damals in Paris aufhielt, vom Lande abweudete.
Durch die Friedenspräliminarien, die am 3. October 1735 in Wien
unterzeichnet wurden, hörten die Feindseligkeiten zwar auf; der endgültige
Frieden kam indessen nach langwierigen Verhandlungen erst am 18. No—
»ember 1738 zustande.
In Folge des Präliminarvergleichs entsagte Stanislaus Lescinsky
der Krone Polens und erhielt, mit Beibehaltung des königlichen Titels,
als Entschädigung die Herzogtümer Lothringen und Bar, die nach seinem
Ableben an Frankreich übergehen sollten und deshalb jetzt schon (1735)
definitiv vom deutschen Reiche abgetreten und getrennt wurden. Herzog
Franz III. von Lothringen erhielt das Großherzogtum Toscana gegen
Abtretung von Lothringen, um dessen Erwerb sich Frankreich nun bereits
seit hundert Jahren bemüht hatte. Durch Vermählung mit der Kaiserin
Maria Theresia gelangte Herzog Franz II. später (1745) zur deutschen
Kaiserwürde.
Die Fürstin Charlotta Amalia teilte am 25. Dezember 1735 ihre
Länder unter ihre beiden Söhne. Karl erhielt alle jenseits des Rheines
liegenden Nassauischen Länder. Wilhelm Heinrich dagegen die diesseitigen.
Die Fürstin behielt indessen die Regentschast über die Saarbrück'schen Lande
bis zu ihrem Ableben am 11. October 1738. Ihr ältester Sohn, Fürst
arl zu Usingen, übernahm jetzt die Landesverwaltung, welche er noch einige
Jahre fortführte, bis sein Bruder Wilhelm Heinrich, durch Altersdispen—
sation ermächtigt, die Regierung selbst antrat.
Fürst Wilhelm Heinrich. 174251768.
Bei der Regierungsübernahme dieses Fürsten war bereits der öster⸗
reichische Erbfolgekrieg ausgebrochen, der seine Schrecken und Verwüstungen
abermals über einen Teil des linken Rheinufers verbreitete und unsern
Grenzen nahe kam.