564 6. Kriegsereignisse c. in Ansehunug an die Geschichte der Saarbrücker Grafen.
Diese Klagen scheinen wegen ihrer Allgemeinheit mit den oben beregten
Beschwerden der Wadgasser Klosterunterthanen aus Lisdorf, Ensdorf, Bous
und Ensheim in ähnlicher Verbindung gestanden zu haben, und es hat
den Anschein, als ob die erwähnte Forstordnung auch im Bezirk der
Abtei Wadgassen in Auwendung gekommen sei. Die Abtei hat es aber
an Beispielen großer Nachgiebigkeit, der Versöhnung und des Ausgleichs
nicht fehlen lassen.
Die Fürstin Charlotta Amalia hätte in der Abstellung aller Mängel
der Landesverwaltung, worüber sie sich durch eine Verwaltungskonmission,
die sie aus Usingen nach Saarbrücken schickte, ausführlich berichten ließ,
noch manches Gute erreichen können, wenn sie nicht durch die neu ans—
gebrochenen Kriegsereignisse an der Durchführung ihrer guten Absichten
verhindert worden wäre.
Im Jahre 1733 erhob sich nämlich der Krieg über die polnische
Königswahl, der ganz Enropa aufs neue in die Waffen brachte und in—
folge dessen unsere Gegend wieder hart mitgenommen wurde. Angust II.,
König von Polen und Kurfürst von Sachsen, war am 1. Februar 1733
gestorben. Um die Krone bewarben sich sein Sohn, Prinz Friedrich August,
und der vertriebene frühere König Stanislaus Lescinsky, Schwiegervater
König Ludwig XV. von Frankreich. Durch die Politik des Letztern wurde
Stanislaus zwar zum Könige erwählt, mußte aber dem, vom Kaiser Karl VI.
und Kaiserin Anna von Rußland, begünstigten Friedrich August die Krone
überlassen. Hierdurch fand sich Frankreich veranlaßt, dem Kaiser den
Krieg zu erklären, und fiel, um ihm eine empfindliche Kränkung znu ver—
ursachen, im September 1733 in Lothringen ein, dessen Herzog Franz
Stephan der bestimmte Schwiegersohn des Kaisers war. Nach der Besitz—
nahme von Lothringen zog ein französisches Heer bei Straßburg über den
Rhein und eroberte Kehl. Es kam am Oberrhein, in Italien und in Polen
zu harten Kämpfen. In Italien gewaunen die Franzosen die Oberhand;
Polen wurde dagegen von den Russen für den Köuig Friedrich Angust
völlig unterworfen. Ludwig XV. schickte eine Armee nach Polen, und
diese mußte natürlich wieder durch das Erzstift Trier marschieren, welches
sehr hart mitgenommen wurde.
Am 8. April 1734 rückte der General Belle-isle mit 18-20000
Franzosen in Trier ein. Er befestigte die Conzer- und die Moselbrücke,
weshalb er eine Menge Häuser abbrechen ließ. Dann begannen die Con—
tributionen nach gewohnter Art. Noch im selben Monate wurde die
Gräfinburg bei Trarbach belagert und zerstört. Dann zog sich der Ge—
neral wieder nach Trier zurück, wohin auch vom Rheine her das Haupt—
corps der Franzosen zog, sodaß sich Fluren und Berge mit Soldaten
bedeckten. Rund um die Stadt sowie auch in den umliegenden Dör—
fern wurden alle Bäume umgehauen. Das war im September und
October 1785.
Am 19. October zogen die Franzosen auf die Hetzrather Heide.
Am 20. und 21. griffen sie die Kaiserlichen bei Esch und der Rivenicher
Mühle an, wurden aber so empfangen, daß ein königlicher Prinz und
mehrere 1000 Mann blieben, Belle⸗isle aber mit 300 Offizieren und 900
Mann verwundet wurde. (Briesen S. 152.)