Full text : Geschichte der Abtei Wadgassen

562 0. Kriegsereiguisse re in Anlchung au die Geschichte der Saarbrücker Grafen.
Durch den Tod seines Schwiegersohnes war er 1724 unerwartet in
den Besitz der Grafschaft Saarbrücken gekommen. Als Graf von Saar—
brücken führte er den Proceß mit der Abtei Wadgassen fort, welche sich
seiner Landeshoheit zu entziehen suchte. — Im Jahre 1726 gründete er
das Dorf Friedrichweiler, welches auch von ihm seinen Namen erhjielt.
Zu dem Banne der Gemeinde, der damals an sünf Personen verteilt wurde,
kam später noch der Unterbronner oder Indelbronner Hof, der im Jahre
1636 der Abtei Busendorf gehörte und 1761 von Nassau-Saarbrücken
um die Summe von 86 Florin an die Gemeinde Friedrichweiler ab—
gelassen wurde. Niessen S. 142.
Seit der Übernahme der hiesigen Lande hatte Graf, Friedrich Ludwig
seinen Wohusitz abwechselnd zu Saarbrücken, Oltweiler und Idstein. In—
dessen war Ottweiler sein Lieblingsaufenthalt, wo auch die bisher be—
staudene Hofhaltung und Regierung bis zu seinem Ableben unverändert
bhlieb. Nach einer 48jährigen Regierung starb Graf Friedrich Ludwig am
25. Mai 1728 zu Saarbrücken. Mit ihm war nun auch die Ottweilersche
Linie erloschen, und seine Besitzungen gingen an die fürstlich Nassau—
Usingische Linie über. Somit hatte also der von Graf Wilhelm Ludwig
herrührende diesseits rheinische Nassauische Grafenstamm sein Ende er—
Leicht, und Friedrich Ludwig war sonach der letzte Graf von Saarbrücken.
Der Stifter der Usingischen Linie war Fürst Walrad, jüngster Sohn
des Grafen Wilhelm Ludwig zu Saarbrücken, welcher im Jahre 1659
Usingen zu seinem Erbteile erhalten hatte. Sein einziger Sohn, Wilhelm
Heinrich, war mit Charlotta Amalia, Tochter des Fürsten Heinrich von
Nassau-Dillenburg vermählt. Von den Kindern dieser Ehe blieben nur
zwei am Leben, nämlich Karl und Wilhelm Heinrich, der Nachgeborene.
Er selbst starb in der Blüte seiner Jahre am 14. Februar 1718, worauf
seine hinterlassene Witwe Charlotta Amalia die Vormundschaft über ihre
Söhne übernahm und die Nsingischen, sowie die später ererbten Idsteini—
schen, Saarbrück'schen und Ottweiler'schen Lande, bis zur Großjährigkeit
ihres ältesten Sohnes regierte.

Charlotta Amalia, Fürstin von Nassau-Sgarbrücken in Usingen,
Vormünderin und Regeutin (1728 -17384.

Unmittelbar nach dem im Jahre 1728 erfolgten Ableben des Grafen
Friedrich Ludwig, ließ Fürstin Charlotta Amalia im Namen ihrer Söhne,
durch den Idsteinischen Regiernugsrat Friedrich von Bodé Besitz der hie—
sigen Lande ergreifen und die Huldigung der Einwohner entgegennehmen.
Hierbei ereignete sich der Fall, den wir schon oben (Chronik 1728) mitgeteilt
haben, daß nämlich auch die Unterthauen des Klosters Wadgassen zur Hul—
digung angehalten worden wareun. Während ihrer Regentschaft aber vollzog
sich bald ein Umschwung in den Maßnahmen der Landesregierung zugunsten
der Abtei Wadgasseit, woraus indirekt erkannt werden kaun, daß die bisherigen
Prozesse zwischen der Abtei und der Landesregierung vorzugsweise auf Über—
schreitungen und Gewaltthätigkeiten der oberen Landesbehörden und selbst der
Grafen, namentlich Karl Ludwig und Friedrich Ludwig, zurückgeführt werden
können. Die in ihren Rechten beschränkte und verletzte Abtei machte sich
            
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