Full text : Geschichte der Abtei Wadgassen

556 6. Kriegsereignisse ꝛc. in Anlehnung an die Geschichte der Saarbrücker Grafen.
sie ertrug die vielen Leiden mutvoll und standhaft. — Während ihrer
Regierung wurde das Dorf Clarenthal gebaut, das ihren Namen trägt.
Sie starb in Saarbrücken am 4. Mai 1709.

Graf Ludwig Crato. 1697 1713.

Aller Aussicht zu einer selbständigen Regierung entzogen, entschloß
sich dieser Graf, teills aus Neigung zum Kriegswesen, teils weil es die
Lage der Umstände zu erfordern schien, in die Kriegsheere Ludwig XIV.
einzutreten. Er verließ jedoch bald die französischen Dienste, weil er seine
Beförderung hintertrieben sah, und trat bald darauf in die Armee der
Republik Holland ein. Dieser Schritt zog ihm von Seiten Frankreichs
die Confiskation seiner Lande zu, wodurch er sich dann wieder genötigt
sah, den Dienst zu wechseln. Ludwig der XIV. ernannte ihn alsbald zum
Oberst-Leutnant und übertrug ihm bald ein Regiment zu Pferd, dem er
den Namen Nassau beilegte, in welcher Eigenschaft er fich in vielen
Schlachten auszeichnete und am 30. März 1693 zum General-Major er—
nannt wurde. In demselben Jahre erhielt er das Kavallerie-Regiment
Royal-Allemand.
Durch den Frieden zu Ryswick wurden die hiesigen Lande von der
sranzösischen Herrschaft befreit und dem deutschen Reiche zurückgegeben.
Graf Ludwig Crato trat daher, als deutscher Reichsstand, wieder in den
unmittelbaren Besitz derselben. Doch gab er sein militärisches Verhältnis
mit Frankreich nicht auf; denn in dem bald hierauf ausgebrochenen spani—
schen Erbfolgekrieg wurde er von Ludwig XIV. (am 23. Dezeinber 1702)
zum General-Leutnant seiner Armeen ernaunt.
Bei dem Ryswicker Frieden hatte man sich nicht genug wundern
können, daß Ludwig XIV. mit so vieler Großmut die im Besiß gehabten
Provinzen herausgab, da er doch beinahe überall Sieger geblieben war.
Bald hingegen sollte man erfahren, mit welch schlauer Politik der schon
alternde König seinen Plan verfolgt hatte.
Der kinderlose König Karl II. von Spanien war dem Tode nahe,
und mit ihm sollte die dort herrschende Habsburger Linie erlöschen. Auf
diesen Thron und alle davon abhangenden Reiche wollte Ludwig seine
vermeintlichen Erbschaftsansprüche geltend machen, und seinem Enkel,
Philipp von Anjou, die Krone Spaniens zuwenden. Als dann am 1. No—
vember 1700 Karl II. starb, bestieg der Enkel Ludwigs XIV. unter dem
Namen Philipp V. sofort den spanischen Königsthron. Gegen diese Be—
sitzergreifung erhob fich Kaiser Leopold, indem er die spanische Krone für
seinen jüngeren Sohn in Anspruch nahm. Auch der Kurfürst von Baiern
und der Herzog von Savoyen machten aus Gründen der Verwandtschaft
Ansprüche auf diese Erbschaft. Dem Kurfürsten von Baiern stellte Ludwig
die deutsche Kaiserkrone in Aussicht, des Herzogs Tochter wurde durch
seine Vermittlung die Gemahlin des neuen Königs von Spanien. Dadurch
beide für sich gewonnen, hatte er es nunmehr nur noch mit dem Kaiser
zu thun.
Der Kaiser war anfangs nur auf die Hilfe des Kurfürsten Friedrich III.
von Brandenburg angewiesen, dem er die Königskrone von Preußen
garantiert hatte; 1701 traten aber auch England, Dänemark und viele
            
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