554 6. Kriegsereignisse ꝛc. in Anlehnung an die Geschichte der Saarbrücker Grafen.
verwüsten und verbrennen, um, wie er sagte, durch eine Wüste die östliche
Grenze seines Reiches zu decken.
Am schrecklichsten betraf dieses Schicksal die Städte Heidelberg,
Gerresheim, Pforzheim, Baden, Rastadt, Mannheim, Speier, Worms,
Oppenheim, Alzei, Krenznach und Frankenthal, von denen mehrere, wie
Mannheim, Worms und Speier, dem Boden gleich gemacht wurden.
Selbst die Toten wurden nicht verschont; in der Domkirche in Speier
wurden die Gräber der dentschen Könige zerstört und die Gebeine in
wilder Wut zerstreut; in Heidelberg erbrachen die Barbaren die Grüfte
der alten Pfalzgrafen und sprengten das kurfürstliche Schloß teilweise in
die Luft. Es schien fast als wäre Attila mit seinen Hunnen wiedergekehrt.
Diese Greuel hatten die Kriegserklärung von halb Europa zur Folge.
Auch die Brandenburger waren zur Stelle. Schon der große Kurfürst
unterhielt freundschaftliche Beziehungen zu dem Kurfürstbischof von Trier
und hatte zu dessen Schutze die Waffen ergriffen. Am 6. Augnst 1689
kam der Marschall Boufflers von Luxemburg mit einer Heerabteilung nach
Trier, vereinigte sich mit Montal und rückte gegen das Städtchen Kochem
an der untern Mosel, das von 1600 Brandenburgern besetzt war. Nach
einem tapfern Widerstande dieser Truppen bemächtigten sich die Franzosen
des Städtchens, legten dasselbe in Asche und ermordeten in der Wut
beinahe die ganze Besatzung und die Einwohner desselben. Hierauf zog
ein Teil des französischen Heeres wieder die Mosel aufwärts, verbrannte
am 17. Wittlich und am folgenden Tage Pfalzel und Ehrang und nahm
seine Winterquartiere in Trier.
Ludwig focht fast gehgen alle seine Feinde siegreich; dennoch gab er,
als endlich im Jahre 1697 zu Ryswick, auf einem Schlosse bei Haag,
der Friede zustande kam, fast alle früher reunierten Orte bis auf die im
Elsaß wieder heraus. — Aus Trier, von wo aus die Mosel- und Saar—
gegend aufs schrecklichste verhertt und gebrandschatzt wurde, zogen die
Franzosen erst im Mai 1698; Saarlouis nebst Straßburg, Fort-Louis,
Longwy und Landau überließen ihnen die Friedensbedingungen.
In der Zeit des zweiten Reichskrieges wurde auch unsere Gegend
mit Contributionen und Brandschatzungen schwer heimgesucht:
1690 legte der französische Intendant zu Homburg der Grafschaft
Saarbrücken 2300 Pfund auf. (Das Contributionspfund war eine öster—
reichische Rechnungsmünze von 13 Gulden 48 Krenzer oder — 24,13 Mark)
Dazu gaben:
„Buß: 160 Pfd., Pfarr Wadgasfen: 80 Pfd., Ensheim: 105 — 345 Pfd.
169! mußten dieselben Ortschaften von 950 Pfd. zahlen:
Buß 45, Hostenbach (Meyerei) 28, Ensheim 31 — 104 Pfd.
1691 waren wieder 999 Pfund als Hälfte der Subentionsgelder von
dem französischen Intendanten auf die Grafschaft gelegt worden; dapon auf:
Bus 47, Hostenbach 30, Ensheim 34 zus. — 111 Pfund.“
Daneben scheint auch die Landesherrschaft eine höhere Steuer als
sonst erhoben zu haben, wie aus einem Schreiben der Wadgasser Unter—
thanen entnommen werden kann, „daß sie diesmal vor ihren Antheil an
herrschaftlicher Schatzung 75 Gulden zahlen sollten, während sonst nur
48 Gulden; bitten, es dabei zu lassen.“